Discussion:
Death Wish (2018)
(zu alt für eine Antwort)
F. W.
2020-04-24 07:10:44 UTC
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Da ich gerade auf dem Action-Trip bin...ach nee, war ne Ausnahme
(Skyscraper). Trotzdem wurde mir "Death Wish" angeboten. Da habe ich
doch mal zugeklickt.

"Death Wish" ist ein typischer Bruce Willis-Film. Unser aller
Lieblingspfälzer spielt dort...ähem...Bruce Willis. Ruhig und besonnen.

Die Welt von Dr. Paul Kersey ist in Ordnung. Schönes Haus, schönes Auto,
schöne Frau und obendrein ergattert die Tochter einen seltenen
Studienplatz. Klar, dass diese Sonnenschein-Szene das Unheil bereits in
sich trägt.

Das kommt in Gestalt von drei Gestalten, die das Haus überfallen. Sie
hatten herausgefunden, dass das Haus am Abend leer ist, weil einer der
Gestalten zufällig mit angehört hatte, dass die Kerseys Essen gehen
wollen. Daraufhin hatte er das Navigationssystem fotografiert, in dem
die Heimadresse gespeichert ist (guter Einfall!).

Dr. Kersey ist Arzt in einer Notfallklinik und wird am Abend
überraschend ins Krankenhaus gerufen. Mutter und Tochter fahren allein
nach Haus und überraschen die Einbrecher. Die zwingen Mutter zur Öffnung
des Tresors und wollen sich an der Tochter vergehen (was auch sonst: Sex
ist in den USA immer böse).

Es folgt eine von 5.870 ähnlichen Action-Szenen, in denen Mutter
erschossen und Tochter schwer verletzt wird. Der durch die Durchsage im
Krankenhaus aufgeschreckte Dr. Kersey rennt in die Notaufnahme und sieht
seine tote Frau und seine schwer verletzte Tochter.

Garniert durch allerlei Radiomeldungen, die die hohe Kriminalität in
Chicago bedauert (aber nie Waffen als mögliche Ursache nennt), bedauert
die Polizei, Dr. Kersey nicht helfen zu können. Der greift daraufhin zur
Selbstjustiz.

Es folgt eine Odyssee, bei der neben den Einbrechern auch noch andere
üble Gesellen ihr Leben lassen. Da es von Blutspritzern, fliegenden
Gliedmaßen und zermatschenden Gehirnen nur so wimmelt, ist der Film erst
ab 18 zugelassen. Man fühlt sich in das alte Videospiel "The Rise of the
Triad" zurück versetzt.

Der Film ist gut. Unterhaltsam, kurzweilig und bisweilen witzig.
Selbstironisch ist er leider nicht. Es handelt sich daher um einen
"alten" Actionfilm und tatsächlich ist "Death Wish" ein Remake von "Ein
Mann sieht rot" mit dem seligen Charles Bronson.

Bronsons Film hatte übrigens einen realistischen Anlass. Ein Mann fuhr
in einer New Yorker U-Bahn und wurde von zwei Schwarzen überfallen und
schwer verletzt. Da die New Yorker Polizei sich auch danach noch
weigerte, in der U-Bahn Streife zu gehen (und wer dort mal gefahren ist,
weiß auch, warum), griff der Mann zur Selbstjustiz - und wurde
freigesprochen.

Die fragliche Moral teilen sich "Ein Mann sieht rot" und "Death Wish".
Auch Dr. Kersey wird am Ende - mit dem Versprechen, künftig keine Gauner
mehr abzuknallen - von der Polizei nicht angeklagt.

Denn jeder weiß, dass Verbrecher unheilbar als Verbrecher auf die Welt
kommen und kein System dieser Welt daran schuldig ist. Jedenfalls weiß
das jeder Redneck.

Würde ich den Film nochmal ansehen? Ja.

FW
Andy Angerer
2020-04-24 15:39:45 UTC
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Post by F. W.
Die fragliche Moral teilen sich "Ein Mann sieht rot" und "Death Wish".
Auch Dr. Kersey wird am Ende - mit dem Versprechen, künftig keine Gauner
mehr abzuknallen - von der Polizei nicht angeklagt.
Denn jeder weiß, dass Verbrecher unheilbar als Verbrecher auf die Welt
kommen und kein System dieser Welt daran schuldig ist. Jedenfalls weiß
das jeder Redneck.
Den "neuen" hab ich noch nicht gesehen, Bronsons Death Wish stieß mir
leicht sauer auf. Und zwar aus einem Grund, der mir viel zu selten
genannt wird; enthalten in: "mit dem Versprechen, künftig keine Gauner
mehr abzuknallen".

Was soll der Blödsinn?
Dr. Kerseys Aktionen sind ausnahmslos pure Selbstverteidigung!
Er killt Typen, die ihn mit bewaffneter Gewalt angreifen und sein Leben
bedrohen. Daß er sich dafür gezielt in Situationen begibt, in denen
genau das wahrscheinlich ist, ist irrelevant! Denn nachts im Park
spazieren oder U-Bahnfahren sind absolut legitime Aktivitäten, die man
angstfrei durchführen können _muß_!

Das tatsächlich perfide an dem Film sowie auch _an der allermeisten
Kritik an ihm_ ist die Verwischung von Selbstverteidigung und
Selbstjustiz. Das sind zwei grundverschiedene Dinge und allerspätestens
in der Kritik müsste das deutlich herausgearbeitet werden!
Und das vermisse ich schmerzlich.
--
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F. W.
2020-04-27 07:59:16 UTC
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Was soll der Blödsinn? Dr. Kerseys Aktionen sind ausnahmslos pure
Selbstverteidigung! Er killt Typen, die ihn mit bewaffneter Gewalt
angreifen und sein Leben bedrohen. Daß er sich dafür gezielt in
Situationen begibt, in denen genau das wahrscheinlich ist, ist
irrelevant! Denn nachts im Park spazieren oder U-Bahnfahren sind
absolut legitime Aktivitäten, die man angstfrei durchführen können
_muß_!
Ja, das ist richtig, weil sonst die Gauner Recht hätten.

Allerdings fällt es mir schwer, auf Selbstverteidigung zu plädieren,
wenn man sich einen Hoodie anzieht und durch dunkle Gegenden läuft, in
denen solche Verbrechen wahrscheinlich sind. Er knallt ja nicht seine
Gegner ab sondern Leute, die gerade ein Verbrechen an anderen begehen.

Und da gefriert die Selbstverteidigung zur Selbstjustiz. Ein ziemlich
gefährliches Thema. Noch dazu in einem Land, das zwar regelmäßig Seh-
und Reaktionskraft bei Autofahrern überprüft, nie aber die von
Trägern scharfer Waffen.

"Death Wish" bietet eine einfache und daher billige Moral an: wenn Du
eine Waffe hast, darfst Du Polizei spielen. Das löst keines der
Probleme, die die USA haben, ist aber selbst eines. Eine echte
Problemlösung wird gar nicht angeboten.

Die echte Problemlösung müsste die Frage stellen, warum in den USA
eigentlich jeder Volltrottel wie eine Armee bis an die Zähne bewaffnet
herumlaufen darf. Genau diese Frage möchten aber manche gar nicht hören.
Weshalb das Problem im Umkehrschluss nicht lösbar ist.

Besser gelöst hat dieses Thema der alte "An einem ganz normalen Tag",
der seinen herumballernden Helden als psychisches Wrack darstellt (was
Michael Douglas seinerzeit vom Drehbuch überzeugt haben soll, was mich
wiederum von Michael Douglas überzeugt).

Und ein Satz aus diesem Film (?) ist mir in Erinnerung geblieben.

"Wenn man eine Waffe trägt, weil das die persönliche Freiheit bedeutet,
was bedeutet dann die persönliche Freiheit der Unbewaffneten?".

Genau: nichts mehr.

FW
Andy Angerer
2020-04-27 12:21:19 UTC
Permalink
Post by F. W.
Was soll der Blödsinn? Dr. Kerseys Aktionen sind ausnahmslos pure
Selbstverteidigung! Er killt Typen, die ihn mit bewaffneter Gewalt
angreifen und sein Leben bedrohen. Daß er sich dafür gezielt in
Situationen begibt, in denen genau das wahrscheinlich ist, ist
irrelevant! Denn nachts im Park spazieren oder U-Bahnfahren sind
absolut legitime Aktivitäten, die man angstfrei durchführen können _muß_!
Ja, das ist richtig, weil sonst die Gauner Recht hätten.
Allerdings fällt es mir schwer, auf Selbstverteidigung zu plädieren,
wenn man sich einen Hoodie anzieht und durch dunkle Gegenden läuft, in
denen solche Verbrechen wahrscheinlich sind. Er knallt ja nicht seine
Gegner ab sondern Leute, die gerade ein Verbrechen an anderen begehen.
Na und?
Das ist genauso legitim.
Post by F. W.
Und da gefriert die Selbstverteidigung zur Selbstjustiz.
Nein!
Vor Gericht nennt sich das "Nothilfe" und wird bewertet wie "Notwehr".
Selbstjustiz wäre die spätere "Bestrafung" aka Rache.
Post by F. W.
Ein ziemlich gefährliches Thema.
Allerdings!
Und Du bist genau in die Falle getappt, die ich dem Film vorwerfe.
Post by F. W.
Besser gelöst hat dieses Thema der alte "An einem ganz normalen Tag",
der seinen herumballernden Helden als psychisches Wrack darstellt (was
Michael Douglas seinerzeit vom Drehbuch überzeugt haben soll, was mich
wiederum von Michael Douglas überzeugt).
Falling down? Super!
--
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Gerald Gruner
2020-04-27 19:53:26 UTC
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Post by Andy Angerer
Post by F. W.
Was soll der Blödsinn? Dr. Kerseys Aktionen sind ausnahmslos pure
Selbstverteidigung! Er killt Typen, die ihn mit bewaffneter Gewalt
angreifen und sein Leben bedrohen. Daß er sich dafür gezielt in
Situationen begibt, in denen genau das wahrscheinlich ist, ist
irrelevant! Denn nachts im Park spazieren oder U-Bahnfahren sind
absolut legitime Aktivitäten, die man angstfrei durchführen können _muß_!
Ja, das ist richtig, weil sonst die Gauner Recht hätten.
Allerdings fällt es mir schwer, auf Selbstverteidigung zu plädieren,
wenn man sich einen Hoodie anzieht und durch dunkle Gegenden läuft, in
denen solche Verbrechen wahrscheinlich sind. Er knallt ja nicht seine
Gegner ab sondern Leute, die gerade ein Verbrechen an anderen begehen.
Na und?
Das ist genauso legitim.
Hmmm, die nicht ausgesprochene Frage ist: Ist _bewusst_ provozierte Notwehr
immer noch legitime Notwehr?
Ein ganz ganz schwieriges Thema aus der dunkelsten Grauzone.
Post by Andy Angerer
Post by F. W.
Und da gefriert die Selbstverteidigung zur Selbstjustiz.
Nein!
Vor Gericht nennt sich das "Nothilfe" und wird bewertet wie "Notwehr".
Selbstjustiz wäre die spätere "Bestrafung" aka Rache.
Ähnlich problematisch. Wenn man sich bewusst in einem Gefahrenbereich
aufhält, darf man dann nothelfen? Doch hoffentlich.
Dass das Ziel hier wohl Rache ist, macht den Fall sehr problematisich und
wir landen wieder bei: Ist _bewusst_ _provozierte_ Nothilfe legitim?

Dann provoziere ich FW auch mal:
Das Gegenargument könnte man auch auf einen anderen Fall übertragen:
Es wird Frauen bei einer Vergewaltigung manchmal vorgeworfen, dass sie sich
in eine riskante Situation gebracht hätten oder auch, dass sie einen zu
kurzen Rock getragen hätten und damkt die tat provoziert hätten. Objektiv
wird das manchmal sogar stimmen wie der Fall oben.
Aber würde man da auch so argumentieren? Wohl kaum.
Und es ist auch keine Rechtfertigung, Partys und kurze Röcke zu verbieten.

Wie gesagt, ein ganz schwieriges Thema...
Post by Andy Angerer
Post by F. W.
Ein ziemlich gefährliches Thema.
Allerdings!
Und Du bist genau in die Falle getappt, die ich dem Film vorwerfe.
Nenn es statt Falle besser Dilemma.
Genau diese sehr dunkle Grauzone und das Dilemma zu zeigen, ist das Ziel.
Wieso wirfst du das einem Film vor?
Post by Andy Angerer
Post by F. W.
Besser gelöst hat dieses Thema der alte "An einem ganz normalen Tag",
der seinen herumballernden Helden als psychisches Wrack darstellt (was
Michael Douglas seinerzeit vom Drehbuch überzeugt haben soll, was mich
wiederum von Michael Douglas überzeugt).
Falling down? Super!
Ähnliches Thema, aber grundlegend anders.

MfG
Gerald
--
"Zu viele Probleme dieser Welt werden von Menschen mit edler Gesinnung
aber umwölktem Verstand verursacht."
Andy Angerer
2020-04-28 13:57:01 UTC
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Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Und Du bist genau in die Falle getappt, die ich dem Film vorwerfe.
Nenn es statt Falle besser Dilemma.
Genau diese sehr dunkle Grauzone und das Dilemma zu zeigen, ist das Ziel.
Wieso wirfst du das einem Film vor?
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
--
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Stephan Seitz
2020-04-28 14:42:00 UTC
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Post by Andy Angerer
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
sich was anderes ausgedacht.

Stephan
--
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| If your life was a horse, you'd have to shoot it. |
Andy Angerer
2020-04-28 15:28:06 UTC
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Post by Stephan Seitz
Post by Andy Angerer
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
sich was anderes ausgedacht.
Eben; genau das meine ich unter anderem.
--
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Gerald Gruner
2020-04-28 19:34:51 UTC
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Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Post by Andy Angerer
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
Du erkennst das Dilemma an und wirfst es den Filmschaffenden trotzdem vor?
Ich hätte dagegen gedacht, dass es eine der Aufgaben von Filmen ist, solch
einen Zwiespalt zu zeigen.
Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
sich was anderes ausgedacht.
Eben; genau das meine ich unter anderem.
Ist die Antwort deiner und Stephans Ansicht wirklich so klar?

BTW: ...und eine Frau, die ein kurzes Röckchen trägt, müsste damit wohl
auch (mit-)schuldig an einer folgenden Vergewaltigung sein?

MfG
Gerald, augenrollend
--
"Die Erzeugung von Zufallszahlen ist viel zu wichtig, als dass man
sie dem Zufall überlassen sollte."
- Ausspruch eines Mathematik-Professors
Christian Potzinger
2020-04-28 20:13:07 UTC
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Post by Gerald Gruner
Ist die Antwort deiner und Stephans Ansicht wirklich so klar?
Ich finde: Ja, absolut.
Post by Gerald Gruner
BTW: ...und eine Frau, die ein kurzes Röckchen trägt,
müsste damit wohl auch (mit-)schuldig an einer folgenden
Vergewaltigung sein?
Intend? Hat der Protagonist so gehandelt, weil er einen
Grund für Rache erschaffen "wollte". Und hat die Frau
einen kurzen Rock getragen, weil sie vergewaltigt
werden "wollte"...
--
ryl: G'Kar
Gerald Gruner
2020-05-02 13:40:59 UTC
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Post by Christian Potzinger
Post by Gerald Gruner
Ist die Antwort deiner und Stephans Ansicht wirklich so klar?
Ich finde: Ja, absolut.
Da bin ich anderer Ansicht. So sei es...
Post by Christian Potzinger
Post by Gerald Gruner
BTW: ...und eine Frau, die ein kurzes Röckchen trägt,
müsste damit wohl auch (mit-)schuldig an einer folgenden
Vergewaltigung sein?
Intend? Hat der Protagonist so gehandelt, weil er einen Grund für Rache
erschaffen "wollte". Und hat die Frau einen kurzen Rock getragen, weil
sie vergewaltigt werden "wollte"...
Nein, sie wollte Party machen, flirten, tanzen (und vielleicht auch Sex)
und das eskaliert dann.
Die Argumentation zur "Mitschuld der Frau an Vergewaltigungen" läuft dann
typischerweise darüber, dass sie sich in eine potentiell riskante Situation
mit gefährlichen Leuten begeben hätte, was sie "hätte wissen müssen".

Bis auf den Startpunkt flirten und tanzen ist das genau parallel zu Death
Wish, insbesondere eben das bewusste Provozieren einer riskanten Situation.
Sie tun dabei nichts illegales! Die Eskalation kommen von der _anderen_
Seite.
Die gestellte Frage ist und bleibt: Wie bewertet man solch eine
"provozierte" Notwehr/Nothilfe?

D.h. du begibst dich da auf sehr dünnes Eis ... IMHO zumindest.


Ich habe die Death Wish-Filme vor ganz vielen Jahren einmal gesehen und
keinen Wunsch nach Wiederholung verspürt, aber diese Diskussion ist für
mich ein Augenöffner, dass es anscheinen wirklich Menschen gibt, die die
Ambivalenz nicht sehen können oder wollen.
Ja, er zeigt das nicht mit dem Skalpell, sondern eher mit dem Holzhammer.
Es ist eben doch ein Actionfilm, der Publikum auch mit Gewaltszenen
anlocken will. Aber ihm jede künstlerische Aussage absprechen zu wollen,
ist trotzdem nicht richtig.
Aber man muss halt kurz nachdenken wollen statt einfach nur die
Vorurteilskiste über Bronson-Filme auszupacken.

MfG
Gerald
--
"Wahlen sind das Fundament unserer Demokratie. Es ist das vornehmste
Pflicht des Verfassungsgerichtshofs, dieses Fundament zu bewahren."
- Begründung des österreichsichen Verfassungsgerichtshofs zum Urteil
zu den Wahlmanipulationen
Andy Angerer
2020-04-29 13:21:52 UTC
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Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Post by Andy Angerer
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
Du erkennst das Dilemma an und wirfst es den Filmschaffenden trotzdem vor?
Ich hätte dagegen gedacht, dass es eine der Aufgaben von Filmen ist, solch
einen Zwiespalt zu zeigen.
Der Film zeigt den Zwiespalt eben _nicht_, sondern verbirgt ihn.
Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
sich was anderes ausgedacht.
Eben; genau das meine ich unter anderem.
Ist die Antwort deiner und Stephans Ansicht wirklich so klar?
BTW: ...und eine Frau, die ein kurzes Röckchen trägt, müsste damit wohl
auch (mit-)schuldig an einer folgenden Vergewaltigung sein?
Nein!
Und einen Film, der genau damit spielt, und zwar in propagandistischer
Weise, würde ich ebenso kritisieren wie Death Wish.
--
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Gerald Gruner
2020-05-02 13:41:06 UTC
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Post by Andy Angerer
Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Post by Andy Angerer
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
Du erkennst das Dilemma an und wirfst es den Filmschaffenden trotzdem vor?
Ich hätte dagegen gedacht, dass es eine der Aufgaben von Filmen ist, solch
einen Zwiespalt zu zeigen.
Der Film zeigt den Zwiespalt eben _nicht_, sondern verbirgt ihn.
Nein, er zieht die Zuschauer sogar genau in das Dilemma "Rache oder
Notwehr, Recht oder Unrecht?" und erzeugt darüber ein Wechselbad an
widersprüchlichen Gefühlen. Das ist geradezu der Kern des Genres.

Aber natürlich ist es ein Actionfilm, kein psychologisches Lehrstück. Er
arbeitet das also eher mit dem "Holzhammer" aus, nicht mit dem Skalpell.
Das könnte man ihm sicherlich vorhalten, nur ist ein US-Mainstream
Actionfilm nunmal keine französischer Künstlerfilm und will das auch nicht
sein.
Post by Andy Angerer
Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
sich was anderes ausgedacht.
Eben; genau das meine ich unter anderem.
Ist die Antwort deiner und Stephans Ansicht wirklich so klar?
BTW: ...und eine Frau, die ein kurzes Röckchen trägt, müsste damit wohl
auch (mit-)schuldig an einer folgenden Vergewaltigung sein?
Nein!
Und einen Film, der genau damit spielt, und zwar in propagandistischer
Weise, würde ich ebenso kritisieren wie Death Wish.
Ah ja, aber dir ist schon die Parallele bewusst und das Dilemma, in das du
dich daher begibst?
Ab wann ist eine Handlung provoziert, so dass man eine Mitschuld bekommt?
Reicht schon ein zu kurzer Rock?
Oder was, wenn dann noch offensives Flirten dazu kommt?
Oder gar Alkohol und Knutschereien?

Du machst es dir oben echt einfach...

MfG
Gerald
--
It is well enough that people of the nation do not understand our
banking and monetary system, for if they did, I believe there would
be a revolution before tomorrow morning.
- Henry Ford über das Banken- und Geldsystem
Andy Angerer
2020-05-02 14:02:56 UTC
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Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Post by Andy Angerer
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
Du erkennst das Dilemma an und wirfst es den Filmschaffenden trotzdem vor?
Ich hätte dagegen gedacht, dass es eine der Aufgaben von Filmen ist, solch
einen Zwiespalt zu zeigen.
Der Film zeigt den Zwiespalt eben _nicht_, sondern verbirgt ihn.
Nein, er zieht die Zuschauer sogar genau in das Dilemma "Rache oder
Notwehr, Recht oder Unrecht?" und erzeugt darüber ein Wechselbad an
widersprüchlichen Gefühlen. Das ist geradezu der Kern des Genres.
Gut; so gesehen....
Post by Gerald Gruner
Aber natürlich ist es ein Actionfilm, kein psychologisches Lehrstück. Er
arbeitet das also eher mit dem "Holzhammer" aus, nicht mit dem Skalpell.
Das darf er ja gerne.
Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Gerald Gruner
Post by Andy Angerer
Post by Stephan Seitz
Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
sich was anderes ausgedacht.
Eben; genau das meine ich unter anderem.
Ist die Antwort deiner und Stephans Ansicht wirklich so klar?
BTW: ...und eine Frau, die ein kurzes Röckchen trägt, müsste damit wohl
auch (mit-)schuldig an einer folgenden Vergewaltigung sein?
Nein!
Und einen Film, der genau damit spielt, und zwar in propagandistischer
Weise, würde ich ebenso kritisieren wie Death Wish.
Ah ja, aber dir ist schon die Parallele bewusst und das Dilemma, in das du
dich daher begibst?
Die Parallele schon, das Dilemma nicht.
Post by Gerald Gruner
Ab wann ist eine Handlung provoziert, so dass man eine Mitschuld bekommt?
Reicht schon ein zu kurzer Rock?
Oder was, wenn dann noch offensives Flirten dazu kommt?
Oder gar Alkohol und Knutschereien?
Nein; reicht nicht.
Post by Gerald Gruner
Du machst es dir oben echt einfach...
Genau: ich schreibe einfach, wie ich es empfunden habe.
--
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Michael Ottenbruch
2020-05-07 09:55:36 UTC
Permalink
Post by Stephan Seitz
Post by Andy Angerer
Wie gesagt: was ich dem Film, aber auch seinen Kritikern vorwerfe, ist
das Verwischen von Notwehr und Nothilfe einerseits und Selbstjustiz und
Rache andererseits.
Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
sich was anderes ausgedacht.
Woher weißt Du das? Wer sagt Dir daß die Person nicht ganz bewußt auf
Leute aus ist, die sich zu Gewalt triggern _lassen_?
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Stephan Seitz
2020-05-07 13:32:07 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Woher weißt Du das? Wer sagt Dir daß die Person nicht ganz bewußt auf
Leute aus ist, die sich zu Gewalt triggern _lassen_?
Um dann ebenfalls ihre Gewalt auszuleben?

Stephan
--
| Stephan Seitz E-Mail: stse+***@rootsland.net |
| If your life was a horse, you'd have to shoot it. |
Michael Ottenbruch
2020-05-12 06:10:07 UTC
Permalink
Am 7 May 2020 13:32:07 GMT, schrieb Stephan Seitz:

| | [Quoting ergänzt]
| | > Aber da die Person dies absichtlich triggert, um Rache zu nehmen, ist
| | > die Antwort ziemlich klar. Funktionierte der Trigger nicht, hätte sie
| | > sich was anderes ausgedacht.
| |
Post by Stephan Seitz
Post by Michael Ottenbruch
Woher weißt Du das? Wer sagt Dir daß die Person nicht ganz bewußt auf
Leute aus ist, die sich zu Gewalt triggern _lassen_?
Um dann ebenfalls ihre Gewalt auszuleben?
Was hat die Frage mit Deiner Behauptung: "Funktionierte der Trigger
nicht, hätte sie sich was anderes ausgedacht", zu tun?
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
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