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Vorsicht, intelligenter Western! (Weites Land, 1958)
(zu alt für eine Antwort)
F. Werner
2018-05-15 12:18:33 UTC
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Es gibt Filme, die werden gern als "Kult" bezeichnet, weil sie oft und
gern gesehen werden oder über Zeitpunkt ihres Erscheinens weit
hinausstrahlen. Sozusagen die "Longseller" der Filmbranche.

Derlei Filme werden gern in allen möglichen Kultursendungen gepriesen
und gelobt. Jubiläen werden gefeiert und viele ihrer Hauptdarsteller
erfahren auch noch separate Würdigungen an Geburts- oder Todestagen.

Im schnöden Alltagsprogramm dagegen tauchen diese Filme nicht auf. Schon
gar nicht zur besten Sendezeit. Als kürzlich "Casablanca" sein Jubiläum
feierte, wurden landauf, landab Mengen an Lobeshymnen verschüttet.

Wer den Film denn nun mal wirklich sehen wollte, der musste bitte den
kommerziellen Anbietern eine Münze einwerfen. Heute hat halt jeder
irgendwas zu verkaufen und aus irgendeinem Grund muss sich alles
irgendwie rechnen. Die beste Sende(und Sendungs-)zeit ist daher seit
Jahren mit Filmchen von Till Schweiger u. ä. verstopft.

Aber diese Entwicklung hat auch einen Vorteil. Wer wirklich gute Filme
schauen will, der kann das nun auch. Täglich entscheide ich, welcher
Film mir den Abend versüßen soll und dabei habe ich geschmacklich stets
ein Auge auf die "Hollywood-Stars" vom Kaliber Douglas, Wayne, Lancaster.

Wenig besonderes erwartend startete ich den Film "Weites Land" ("The Big
Country") von 1958, eigentlich eher wegen seiner Länge (> 2,5 Stunden)
und seiner merkwürdigen Story. Und die geht so.

https://www.imdb.com/title/tt0051411/?ref_=fn_al_tt_1

James McKay (Gregory Peck), ein pensionierter Seemann (!) reist in den
Wilden Westen, um seine Verlobte Pat Terrill (Carroll Baker) zu
heiraten. Er lebt sich gut in die Familie ein und versteht sich auch mit
Pats rustikalem Vater Henry Terrill (auch hier unfassbar gut: Charles
Bickford), einem reichen Rancher.

Henry Terrill aber (der "Major") liegt schon seit Langem im Clinch mit
seinem Nachbarn Rufus Hannassey (Oscar: Burl Ives) und seinen
missratenen Söhnen. Diese "begrüßen" McKay auch, in dem sie ihn mit
einem Lasso einfangen und - in den Augen Pats - "demütigen".

Wer nun glaubt, McKay zieht locker seinen Colt und schießt die Brüder
einen nach dem anderen vom Pferd, erwartet zu wenig. Stattdessen mündet
diese Lassonummer in ein erstes Aufbrechen der unterschiedlichen
Auffassungen von Seemann McKay und seiner künftigen Verlobten. Der etwas
tumbe Steve Leech (ungewöhnlich: Charlton Heston) hat ein Auge auf die
Rancherstochter geworfen.

Pats Vater dagegen, beschließt sich zu rächen und zieht mit seinen
Leuten gegen die Hannasseys los ("So macht man das hier"), um deren Farm
zu verwüsten. Rufus und den "Major" vereinigt dabei ein gemeinsamer
Wunsch, nämlich die Nachbarranch "Big Muddy" zu erwerben, die der jungen
Julie Maragon (charmant: Jean Simmons) gehört und die sie nicht
verkaufen will.

Die Feindschaft der alten Männer führt u. a. dazu, dass das Vieh der
Hannasseys beinahe verdurstet, weil der "Major" die Tränke verweigert
und in eine Entführung Julies seitens der Hannasseys, die sie zur
Unterschrift zwingen soll. Alte Männer, alte Methoden, alte Probleme.
Der Film spitzt das Lösungsschema des Westerns unerträglich zu.

Der intelligente und pazifistische McKay versteht sich inzwischen besser
mit der klugen Julie als mit seiner konservativen und altmodischen
Verlobten (die immer auf der Suche nach irgendwelchen "echten Männern"
ist) und der Zuschauer hat mehr und mehr das Gefühl, dass es so sein soll.

McKay erwirbt die Wasserstelle an allen vorbei und hofft so, Frieden zu
stiften und sie zum Nutzen aller zur Verfügung zu stellen. Doch die
Feindschaft der alten Männer ist nicht so ohne weiteres zu befrieden und
es kommt zum Showdown.

Regisseur William Wyler inszenierte bereits 1958 auf zwei kompletten
Stages diesen pazifistisch und modern gedachten Western. Er wollte
herausfinden, ob die Leute auch jemandem trauen, der nicht mit den
Fäusten herumwirbelt und baute so einen Antagonisten zu z. B. John Wayne
auf.

Vernunft contra Gewalt in einem Western. Selten genug. Es ist auch die
klassische Figur, die von außen kommt und einen Einblick in alte
gewachsene Strukturen beleuchtet. Strukturen, die schon sehr lange nach
eigenen Gesetzen funktionieren, ohne sich wirklich weiterzuentwickeln.

Ein bemerkenswerter Film. Sehenswert! Den Oscar hätten alle vier
Hauptdarsteller verdient. Aber soweit war man damals wohl noch nicht.

Ausgerechnet US-Präsident "Ike" Eisenhower zeigte den Film vier mal im
Weißen Haus und nannte ihn den besten Film, der je gemacht wurde.
"Weites Land" begründete auch eine kleine Serie pazifistischer Western.

FW
H.-P. Schulz
2018-05-15 13:00:55 UTC
Permalink
"F. Werner" <***@live.de> schrieb:

<Guter Film: "Weites Land" 1958>

William Wyler, das ist der, der ich glaube 5 (fünf!) Filme mit der
großen Bette Davis gemacht hat!

Er ist einer der ganz Großen des "Old School"-Hollywood-Melodrams, hat
jede Menge erstklassiger Drehbücher verfilmt, kaum je was seichtes,
oft genug ziemlich heftigen Stoff.

Beispiel: Als ich erfuhr, dass Wyler auch in dem Film "Der Fänger"
Regie hatte, haute es mich fast um, aber dann dachte ich: Wer sonst?
Na ja - - Polanski, gut. Aber sonst?

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