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Mosquito - Der Schänder (1976)
(zu alt für eine Antwort)
F. W.
2020-04-30 07:43:57 UTC
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Let's get some Trash!

Wer nach Filmen über 18 bei Amazon sucht, der findet auch solche
"Edelsteine" wie dieses Machwerk. Unbekannter Regisseur, unbekannte
Schauspieler, unbekannter Film. Erwartungsgemäß war der Titel gruseliger
als der Film.

Ein namenloser junger Mann, der als Kind vom Vater gehörlos geschlagen
wurde, leidet unter den Diskriminierungen seiner Arbeitskollegen. Das
erinnert ihn an seine Schulzeit, als er ähnliche Erfahrungen mit seinen
Mitschülern machte. Sein Fleiß wurde dabei durch das mutwillige
Verschütten von roter (?) Tinte zerstört. Eine Erinnerung an eine Schmach.

Im Arbeitsleben passiert später dasselbe. Es ist wieder rote (?) Tinte,
die seine Kollegen über seinem Arbeitsplatz verteilen und seine Arbeit
zerstören. Das ruft in ihm Erinnerungen hervor und eine große Lust auf
alles Flüssige in roter Farbe. Also schleicht er sich in Leichenhäuser
und fröhnt seiner Lust, nicht ohne das eine oder andere Körperteil mit
nach Hause zu nehmen...

1976 waren die Filmtricks natürlich nicht so gut wie heute. Die
Instrumente aber schon. Trotzdem ist der Soundtrack das eigentlich
grauenhafte an diesem Film. Vermutlich wollte man neben den Kosten für
einen einigermaßen fähigen Komponisten auch gleich GEMA-Gebühren sparen.
Ich sage das nicht als Spott sondern hätte selbst als Regisseur gleich
den gesamten Soundtrack eingespart. Hätte dem Film sicher genutzt.

Das Schauspiel ist hölzern, die Dialoge unfreiwillig komisch aus der
Distanz der Zeit. Die Untaten des Protagonisten werden mit heute leicht
zu erkennenden Puppen gezeigt. Vermutlich hatte man damals damit
gerechnet, dass sich der Zuschauer gleich erschüttert abneigt und dass
man mal per Video, DVD oder Stream vor- und zurückspulen können wird,
das war damals unvorstellbar. Film war ein unaufhaltbares Medium.

Die Story ist daneben auch noch hanebüchen. Völlig unklar ist, warum der
Protagonist seine Opfer zerschneidet. Das Blutsaugen wird ja erklärt,
das "Schänden" nicht. Es wird auch fast keine Reaktion auf seine Taten
erzählt, was sie irgendwo im erzählerischen Vakuum schweben lässt.

Nun ja, ein wenig unterhaltsam, wenn man die Siebziger mal "von innen"
betrachten will. Nochmal ansehen? Nein.

FW
Werner Tann
2020-04-30 09:26:21 UTC
Permalink
Post by F. W.
Nun ja, ein wenig unterhaltsam, wenn man die Siebziger mal "von innen"
betrachten will. Nochmal ansehen? Nein.
Die Siebziger "von innen" konnten durchaus auch anders. Da gab's auch
Trash, der einen heute noch gruseln lässt. Beim "Schänder" fällt mir
sofort "Hexen, geschändet und zu Tode gequält" ein, aus 1973. Eine
deutsche (!) Produktion.


https://de.wikipedia.org/wiki/Hexen_%E2%80%93_gesch%C3%A4ndet_und_zu_Tode_gequ%C3%A4lt
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