Discussion:
Daniel Craig geht - ein Pamphlet
(zu alt für eine Antwort)
F. W.
2020-07-28 08:55:48 UTC
Permalink
Noch ein Film und die Bond-Fans alter Schule haben die Zeit überstanden.
Niemand weiß derzeit, wer der nächste sein wird. Aber der derzeitige
Bond geht. Und das ist gut so.

Craigs Bond-Filme waren gute Filme. Es waren actionreiche, schnelle,
brutale Krimis mit guten Storys. Aber es waren auch schlechte Filme.
Schlechte Bond-Filme nämlich.

Was wir an Bond lieben?

Den weltmännisch, leicht arrogant auftretenden Agenten, für den Geld
keine Rolle spielt. Der "natürlich" mal eben an einem Abend im Casino
mehr Geld verspielt als andere in einem Jahr verdienen. Oder einen 56er
Grand Cru ordert und diesen "Jahrhundertwein" einfach zum gut gewürzten
Essen schlabbert. Diese Verachtung des alltäglichen Luxus. Weil er eben
alltäglich ist. Und maßlos übertrieben natürlich.

Der sowieso viel Alkohol trinkt (geraucht hat er merkwürdigerweise
selten) und beste Speisen genießt. Sich weder um Umwelt noch Gesundheit
noch globale Verantwortung schert. Der trotzdem topfit ist und alle
besiegt. Der Bond, den es nicht gibt, ist der realistischste Bond von allen.

Und diese Selbstironie. Wenn er kopfüber im russischen Klo hängt, wenn
er beim Rutschen auf dem Treppengeländer einen Knauf abschießt, der
seine Männlichkeit bedroht, wenn er (na ja) den Tiger in den Tank
befördert oder wenn die in den Kopf geschossene Voodoo-Figur die Augen
verdreht, dann ist Bond charmant sympathisch.

Weil er sich am Ende eben doch nicht ernst nimmt. Wie Indy, der mal eben
mit einer Lore über einen Canon springt und trotzdem genau die Schiene
trifft. Weil wir genau das eben sehen wollen. Gerade weil es
unwahrscheinlich ist wie ein tauchender Lotus.

Und Daniel Craigs Bond? Der muss allen ernstes Verwendungsnachweise
ausfüllen, wenn er Geld verspielen will, den Dienstwagen ab- und
anmelden und natürlich kiloweise Papier beschriften, wenn derselbe
Dienstwagen pulverisiert wird. Craig machte Bond zum Bürokraten. Das mag
witzig gemeint sein, zerstört aber eine Illusion.

"Geschüttelt oder gerührt?"
"Sehe ich aus, als ob mich das interessiert?"

Nein, wahrlich nicht.

Mit Craig wurde Bond unangenehm realistisch. Probleme, die haben wir
Kinobesucher selbst und wir möchten nicht gern daran erinnert werden.
Der seit einem Jahrhundert bestehende Erfolg von Hollywood liegt nicht
darin, dass man dort problembehaftete Aufklärungsfilme produziert hat.
Hallo England, deshalb gehen wir ja ins Kino.

Beziehungsweise gingen.

Vielleicht haben die bedeutungsschwangeren, kopflastigen (nicht nur)
Bond-Filme ja auch den Niedergang des Kinos beschleunigt. Vielleicht
kommt einfach nichts Gutes dabei heraus, wenn man auf alle
Befindlichkeiten gleichzeitig Rücksicht nimmt.

Ich weiß es nicht. Es wurde auch schon Bond als schwarze Frau
diskutiert. Eine schwarze Frau als Macho? Wie soll das gehen?

"Ich habe schon lange nicht mehr mit einer so guten Frau geschlafen!"

Der schlechteste Satz aller Bond-Filme. Aber kann sich jemand
vorstellen, dass das eine schwarze Frau sagt?

Bond und Frauen. Ein Macho alter Sorte. Ein Genießer auch hier. Und
keiner, der mit Frauen hadert, Mutterkomplexe auslebt, Geliebten
hinterher trauert. Ja, das ist alles das Leben. Aber Bond eben nicht.

Bond und Autos. Nicht mal die Autos in Craigs Filmen hatten Stil. Da
tauchten Autos auf, die entweder beim Händler um die Ecke oder im Stau
vor einem stehen (BMW???). Oder Aston Martins, die von Toyotas nicht
mehr zu unterscheiden sind.

"Meinen Sie explodierende Stifte? So was machen wir eigentlich nicht mehr."

Gleich doppelt schlecht. Zum Einen natürlich eine mutwillige Versumpfung
des besten Bonds aller Zeiten, der gar keiner war. Und zum anderen der
Triumph der lustfeindlichen Jugend über die Lust der maßlosen
Übertreibung der alten Zeit.

Keine Frauen, keine Autos, keine Gadgets.

Manchmal dachte ich, das ist gar kein Bond-Film. Nur einer mit Daniel Craig.

Und so hoffen wir alten Fans auf einen neuen Bond. Auf eine Insel der
Träume in einer Welt voller hysterischer Bedenken. Einen, der sich
rettet, in dem er auch mal über Krokodile springt, in Rio an einer
Seilbahn herumklettert, den Beißer beißt oder sich nächtelang
an ein Nazi-U-Boot hängt.

(Ach nee, das war der andere verkopfte Held).

Hoffen wir, dass Barbara Broccoli nicht so streng an die Sache
herangeht wie z. B Sofia Coppola an ihre Stoffe. Denn der Unterschied
ist, dass Sofia das drauf hat und trotzdem unterhält.

FW
Andy Angerer
2020-07-28 14:22:23 UTC
Permalink
Am 28.07.20 um 10:55 schrieb F. W.:

[einen super Text, von dem ich jetzt sehr viel lösche]
Post by F. W.
Mit Craig wurde Bond unangenehm realistisch.
Naja; teils, teils.
Verwaltungstechnisch wurde er zu dem Beamten, der er als MI6-Agent ja
tatsächlich ist.
Wenn er zB aber, unmittelbar nachdem ihm Blofeld drei Löcher ins Hirn
gebohrt hat, vom Folterstuhl springt und sofort wieder Losjamesbondet,
ist das dermaßen schwachsinnig, wie es sich die alten Bond-Filme wohl
nicht getraut hätten.
Post by F. W.
[....] sich nächtelang an ein Nazi-U-Boot hängt.
(Ach nee, das war der andere verkopfte Held).
Welcher?
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Alfred L.
2020-07-28 16:08:37 UTC
Permalink
Post by Andy Angerer
Wenn er zB aber, unmittelbar nachdem ihm Blofeld drei Löcher ins Hirn
gebohrt hat, vom Folterstuhl springt und sofort wieder Losjamesbondet,
ist das dermaßen schwachsinnig, wie es sich die alten Bond-Filme wohl
nicht getraut hätten.
Jo! Eigentlich finde ich Craig die beste Besetzung für die Rolle, die
Filme mit ihm sind vergleichbar mit denen von Tom Cruise. Während die
alten James Bond Filme imo grösstenteils einfach nur albern waren, fand
ich die Craig Filme deutlich besser - mit Ausnahme dieser Bohrszene. Das
war einfach völlig daneben und ich verstehe nicht, warum sich da nicht
jemand mit gesundem Menschenverstand durchgesetzt hat.

Aber er wird mir fehlen ...
--
Wer nichts kann und wer nichts ist, wird halt Klimaaktivist
F. W.
2020-07-29 05:35:10 UTC
Permalink
Post by Alfred L.
Post by Andy Angerer
Wenn er zB aber, unmittelbar nachdem ihm Blofeld drei Löcher ins
Hirn gebohrt hat, vom Folterstuhl springt und sofort wieder
Losjamesbondet, ist das dermaßen schwachsinnig, wie es sich die
alten Bond-Filme wohl nicht getraut hätten.
Jo! Eigentlich finde ich Craig die beste Besetzung für die Rolle,
die Filme mit ihm sind vergleichbar mit denen von Tom Cruise.
Vielleicht liegt meine Ansicht daran, dass ich Tom Cruise auch immer
schon für völlig überschätzt gehalten habe. ;-)
Post by Alfred L.
Während die alten James Bond Filme imo grösstenteils einfach nur
albern waren, fand ich die Craig Filme deutlich besser - mit Ausnahme
dieser Bohrszene. Das war einfach völlig daneben und ich verstehe
nicht, warum sich da nicht jemand mit gesundem Menschenverstand
durchgesetzt hat.
Aber er wird mir fehlen ...
Ja, Daniel Craig ist schon ein guter Schauspieler. Hat er in "Knives
Out" (vielleicht bewusst) eine eher alberne Nummer abgegeben, spielt er
in "Verblendung" locker alle an die Wand.

FW
F. W.
2020-07-29 05:31:54 UTC
Permalink
Post by Andy Angerer
[einen super Text, von dem ich jetzt sehr viel lösche]
Danke :-)
Post by Andy Angerer
Post by F. W.
Mit Craig wurde Bond unangenehm realistisch.
Naja; teils, teils. Verwaltungstechnisch wurde er zu dem Beamten, der
er als MI6-Agent ja tatsächlich ist.
Klar, da hast Du Recht. Ich frage mich nur, ob die Leute einen
MI6-Beamten oder einen unrealistischen Helden sehen wollen. Ich tippe
auf Letzteres. :-D
Post by Andy Angerer
Wenn er zB aber, unmittelbar nachdem ihm Blofeld drei Löcher ins
Hirn gebohrt hat, vom Folterstuhl springt und sofort wieder
Losjamesbondet, ist das dermaßen schwachsinnig, wie es sich die alten
Bond-Filme wohl nicht getraut hätten.
Ja, diese Szene habe ich gut in Erinnerung. Craig als Bond hatte ich
aber damals schon aufgegeben.
Post by Andy Angerer
Post by F. W.
[....] sich nächtelang an ein Nazi-U-Boot hängt. (Ach nee, das war
der andere verkopfte Held).
Welcher?
Indiana Jones musste sich auf einmal mit einer manischen Ehefrau und
einem sich selbst überschätzenden Sohn abgeben. Irgendwie nicht derselbe
Indy, der den Stamm der Hovitos verarschen kann.

FW
Andy Angerer
2020-07-29 11:01:08 UTC
Permalink
Post by F. W.
Post by Andy Angerer
Post by F. W.
Mit Craig wurde Bond unangenehm realistisch.
Naja; teils, teils. Verwaltungstechnisch wurde er zu dem Beamten, der
er als MI6-Agent ja tatsächlich ist.
Klar, da hast Du Recht. Ich frage mich nur, ob die Leute einen
MI6-Beamten oder einen unrealistischen Helden sehen wollen. Ich tippe
auf Letzteres. :-D
Freilich; Bond war schon immer ein Superheld.
Wenn man einen realistischen Agentenfilm sehen will, schaut man sich
keinen Bond an.
Post by F. W.
Post by Andy Angerer
Wenn er zB aber, unmittelbar nachdem ihm Blofeld drei Löcher ins
Hirn gebohrt hat, vom Folterstuhl springt und sofort wieder
losjamesbondet, ist das dermaßen schwachsinnig, wie es sich die alten
Bond-Filme wohl nicht getraut hätten.
Ja, diese Szene habe ich gut in Erinnerung. Craig als Bond hatte ich
aber damals schon aufgegeben.
Ich fand ihn schon immer extrem fehlbesetzt, Skyfall aber trotzdem einen
sauguten Film, Spectre jedoch so grottenschlecht, daß es mir echt
vergangen ist.
Post by F. W.
Post by Andy Angerer
Post by F. W.
[....] sich nächtelang an ein Nazi-U-Boot hängt. (Ach nee, das war
der andere verkopfte Held).
Welcher?
Indiana Jones musste sich auf einmal mit einer manischen Ehefrau und
einem sich selbst überschätzenden Sohn abgeben. Irgendwie nicht derselbe
Indy, der den Stamm der Hovitos verarschen kann.
Aha; merci.
Ich hab nur die ersten drei gesehen.
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Christian Weisgerber
2020-07-29 14:58:56 UTC
Permalink
Post by Andy Angerer
Bond war schon immer ein Superheld.
Meiner verblassten Erinnerung nach waren die ersten beiden Filme
(_Dr. No_ und _From Russia with Love_) noch typische 1960er-Jahre-
Agentenfilme und recht bodenständig. Der bondige Bond fing erst mit
_Goldfinger_ an.
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Andy Angerer
2020-07-29 16:03:44 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Post by Andy Angerer
Bond war schon immer ein Superheld.
Meiner verblassten Erinnerung nach waren die ersten beiden Filme
(_Dr. No_ und _From Russia with Love_) noch typische 1960er-Jahre-
Agentenfilme und recht bodenständig. Der bondige Bond fing erst mit
_Goldfinger_ an.
Aha.
Meine Dings ist da auch recht verblasst; ich glaub das jetzt einfach
mal. Und nehme mir vor, die beiden bei Gelegenheit mal wieder anzuschauen.
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Andreas M. Kirchwitz
2020-07-28 16:22:19 UTC
Permalink
Post by F. W.
Craigs Bond-Filme waren gute Filme. Es waren actionreiche, schnelle,
brutale Krimis mit guten Storys. Aber es waren auch schlechte Filme.
Schlechte Bond-Filme nämlich.
Prima Artikel, hat Spaß gemacht zu lesen. :-)

Mit Craig wurde James Bond menschlicher, vielleicht realistischer,
aber für mich hat das nicht funktioniert, weil ich die alten Filme
kannte und genau das (wieder) sehen wollte, diese Leichtigkeit, die
Selbstironie, die Übertreibungen. Die Craig-Bonds waren mir zu ernst
und haben mich eher runtergezogen, was das Gegenteil meiner Erwartung
ist, wenn ich mir einen Bond-Film angucke.

Soweit ich mich erinnere, waren die Einspielergebnisse der Craig-Bonds
sehr hoch. Mit Craig ist James Bond endgültig im Mainstream angekommen.
Ist gut für die Kinokasse. Ist schlecht für alte Säcke wie mich.

Grüße, Andreas
Christian Weisgerber
2020-07-28 21:49:06 UTC
Permalink
Post by F. W.
Craigs Bond-Filme waren gute Filme. Es waren actionreiche, schnelle,
brutale Krimis mit guten Storys. Aber es waren auch schlechte Filme.
Schlechte Bond-Filme nämlich.
_Casino Royale_ war ein guter Film und ein außergewöhnlicher James-
Bond-Film. _Quantum of Solace_ war ein völliger Absturz, ein Rückfall
in vergangene Jahrzehnte und ein sicheres Zeichen, dass diese Reihe
nicht zu retten ist. Zu den folgenden Filmen sollte ich nichts
sagen, ich habe sie allenfalls ausschnittsweise gesehen, hatte aber
nicht den Eindruck, etwas zu versäumen.

[wild gekürzt]
Post by F. W.
Mit Craig wurde Bond unangenehm realistisch.
Was dir nicht gefällt, waren die Versuche, Bond zu modernisieren.

Bond ist ein Kind seiner Zeit. Diese Agentengeschichten waren in
den 1950ern, 60ern, vielleicht noch ein Stück weit in die 70er sehr
beliebt. Es war die Zeit des Zerfalls der alten europäischen Kolonial-
reiche und des neuen Kalten Kriegs. Ian Fleming schrieb James Bond.
Gérard die Villiers schrieb die SAS-Romane um Malko Linge,
jahrzehntelang ein Blickfang in deutschen Bahnhofsbuchhandlungen.
In der Science-Fiction-Ecke schrieb Poul Anderson seine Geschichten
um Dominic Flandry. Die Hauptfiguren sind praktisch austauschbar.

Auch Filme dieser Art gab es viele, die meisten längst vergessen.
_Le Tigre se parfume à la dynamite_ usw. usf. Das junge Kabelfernsehen
füllte damit in den 1980ern zahllose Programmstunden. Irgendwie
habe die Bond-Filme es geschafft, aus der Masse herauszustechen und
dann ein Eigenleben entwickelt.

Aber auch nach Jahrzehnten blieb Bond eben Bond. Ein Fossil. Dir
missfällt, dass man zaghaft versucht hat, Bond etwas zu modernisieren.
Mir missfällt, dass es nicht gelungen ist, Bond zu modernisieren.
Vielleicht geht das auch gar nicht, vielleicht ist das, was Bond
ausmacht, schlicht überholt.
Post by F. W.
Bond und Frauen. Ein Macho alter Sorte.
Bond und Autos.
Keine Frauen, keine Autos, keine Gadgets.
Wir sind nicht mehr in den 1960ern.

Vielleicht sollten die Bond-Filme in diesen vergangenen Jahrzehnten
spielen. Für die Gegenwart sind sie anachronistisch.

Und wenn es nur um die weitgehend zusammenhanglose Aneinanderreihung
wahnwitziger Action-Szenen geht, dann braucht man die Figur Bond
nicht, wie es die Mission-Impossible-Filme zeigen.
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Stefan+ (Stefan Froehlich)
2020-07-29 05:47:27 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
[wild gekürzt]
Post by F. W.
Mit Craig wurde Bond unangenehm realistisch.
Was dir nicht gefällt, waren die Versuche, Bond zu modernisieren.
Das denke ich auch.
Post by Christian Weisgerber
Aber auch nach Jahrzehnten blieb Bond eben Bond. Ein Fossil. Dir
missfällt, dass man zaghaft versucht hat, Bond etwas zu
modernisieren. Mir missfällt, dass es nicht gelungen ist, Bond zu
modernisieren.
Das ist doch überall so, bei Serien aber auch Einzelkünstlern. Etwas
kommt gut an, das Publikum schreit nach mehr, liefert mehr, das
Publikum gewöhnt sich daran... und lässt dann keine großen
Änderungen mehr zu, bis es irgendwann ausstirbt. Insofern hat sich
Bond ja eh schon ganz schön weiterentwickelt.
Post by Christian Weisgerber
Vielleicht geht das auch gar nicht, vielleicht ist das, was Bond
ausmacht, schlicht überholt.
Ich fürchte, darauf läuft es hinaus. Ein paar der verbliebenen
Dogmen kann man noch opfern, z.B. eben Bond selbst durch eine Frau
ersetzen, nur ist es dann irgendwann nicht mehr Bond (für manche
hier ist das ja jetzt bereits der Fall), sonder einer unter vielen.
Post by Christian Weisgerber
Post by F. W.
Bond und Frauen. Ein Macho alter Sorte.
Bond und Autos.
Keine Frauen, keine Autos, keine Gadgets.
Wir sind nicht mehr in den 1960ern.
Vielleicht sollten die Bond-Filme in diesen vergangenen Jahrzehnten
spielen. Für die Gegenwart sind sie anachronistisch.
Das ist das andere Problem. Würde man zu den alten Klischees
zurückkehren, die wir hier so lieben (ja, ich auch), würde ein neuer
Film in der heutigen Zeit wahrscheinlich deplaziert wirken. Die
Frage ist, ob man für "Kalter Krieg"-Settings noch ausreichend
Publikum findet.

Servus,
Stefan
--
http://kontaktinser.at/ - die kostenlose Kontaktboerse fuer Oesterreich
Offizieller Erstbesucher(TM) von mmeike

Stefan! Da steckt mehr drin, als man glaubt.
(Sloganizer)
Andy Angerer
2020-07-29 11:21:08 UTC
Permalink
Post by Stefan+ (Stefan Froehlich)
Das ist das andere Problem. Würde man zu den alten Klischees
zurückkehren, die wir hier so lieben (ja, ich auch), würde ein neuer
Film in der heutigen Zeit wahrscheinlich deplaziert wirken. Die
Frage ist, ob man für "Kalter Krieg"-Settings noch ausreichend
Publikum findet.
Grundsätzlich wäre (wie auch "3. Weltkrieg") "2. Kalter Krieg" ein prima
Thema. Aber halt in einer Zukunft angesiedelt und daher im SF-Bereich.
Und mit Bond hätte das nichts mehr zu tun.
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
F. W.
2020-07-29 07:37:59 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Was dir nicht gefällt, waren die Versuche, Bond zu modernisieren.
Stimmt. Alte Geschichten sind wie alter Wein. Man sollte sie nicht
"modernisieren". Andererseits hat eine weniger lustfeindliche
Modernisierung Bond durch Roger Moore sehr gut getan.
Post by Christian Weisgerber
Bond ist ein Kind seiner Zeit. Diese Agentengeschichten waren in den
1950ern, 60ern, vielleicht noch ein Stück weit in die 70er sehr
beliebt. Es war die Zeit des Zerfalls der alten europäischen
Kolonial- reiche und des neuen Kalten Kriegs. Ian Fleming schrieb
James Bond.
Ja, ist bekannt. Dennoch spielte die politische und zeitliche Umgebung
kaum eine Rolle in den Geschichten. Außer, dass die Russen die Feinde
waren (wenn auch keine prinzipiellen Feinde).
Post by Christian Weisgerber
Auch Filme dieser Art gab es viele, die meisten längst vergessen. _Le
Tigre se parfume à la dynamite_ usw. usf. Das junge Kabelfernsehen
füllte damit in den 1980ern zahllose Programmstunden. Irgendwie habe
die Bond-Filme es geschafft, aus der Masse herauszustechen und dann
ein Eigenleben entwickelt.
Sie waren immer sehr aufwändig.
Post by Christian Weisgerber
Aber auch nach Jahrzehnten blieb Bond eben Bond. Ein Fossil. Dir
missfällt, dass man zaghaft versucht hat, Bond etwas zu
modernisieren. Mir missfällt, dass es nicht gelungen ist, Bond zu
modernisieren. Vielleicht geht das auch gar nicht, vielleicht ist
das, was Bond ausmacht, schlicht überholt.
Man hat ihn ja nicht zaghaft modernisiert sondern alles weggeschnitten,
was auch nur im Entferntesten an Freude, Genuss, Lust oder Humor
erinnert. Heraus gekommen ist ein dröger Bürokrat mit Pistole.

Damit wurde Bond vor allem austauschbar. Das ist sehr gefährlich. Denn
solche Helden sind beliebig. Tom Cruise spielte gleich mehrere davon.
Post by Christian Weisgerber
Bond und Frauen. Ein Macho alter Sorte. Bond und Autos.
Keine Frauen, keine Autos, keine Gadgets.
Wir sind nicht mehr in den 1960ern.
Vielleicht sollten die Bond-Filme in diesen vergangenen Jahrzehnten
spielen. Für die Gegenwart sind sie anachronistisch.
Genau das könnte ja den Reiz ausmachen. Wir kümmern uns 22 Stunden am
Tag um die Probleme der Welt. Dann schalten wir James Bond ein und
genießen eine Welt, wie es sie mal gab.
Post by Christian Weisgerber
Und wenn es nur um die weitgehend zusammenhanglose Aneinanderreihung
wahnwitziger Action-Szenen geht, dann braucht man die Figur Bond
nicht, wie es die Mission-Impossible-Filme zeigen.
Wir haben aber eine solche Aneinanderreihung mit Daniel Craig. Man hätte
sich nicht von den leicht fischigen Skandinavien-Krimis anstecken lassen
sollen. Da ist immer der Bulle das Problem.

Weißt Du, wer kürzlich einen wirklich guten Bond gedreht hat? Rowan
Atkinson. Das meine ich durchaus ernst. Natürlich nicht die Handlung
oder die Gimmicks. Das gesamte Setting des Films aber soll eine Parodie
der Bond-Filme sein. Es ist aber eine wehmütige Erinnerung, wie es heute
sein könnte.

Daniel Craig servierte uns das Petersilien-Süppchen und den Einlauf.
Jetzt wird es Zeit, dass jemand den Koffer öffnet und die Pastetchen und
den Champagner wieder herausholt. Die Welt wird davon wieder nicht
untergehen.

FW
Stefan+ (Stefan Froehlich)
2020-07-29 10:44:18 UTC
Permalink
Post by F. W.
Post by Christian Weisgerber
Vielleicht sollten die Bond-Filme in diesen vergangenen
Jahrzehnten spielen. Für die Gegenwart sind sie anachronistisch.
Genau das könnte ja den Reiz ausmachen. Wir kümmern uns 22 Stunden
am Tag um die Probleme der Welt. Dann schalten wir James Bond ein
und genießen eine Welt, wie es sie mal gab.
Das dürfte in etwa das gleiche Zielpublikum haben, wie seinerzeit
die Sissi-Filme: Überwiegend Senioren. Wobei, rein demographisch
betrachtet wäre das vielleicht sogar eine Option...

Servus,
Stefan
--
http://kontaktinser.at/ - die kostenlose Kontaktboerse fuer Oesterreich
Offizieller Erstbesucher(TM) von mmeike

Stefan - die krankste Beschreibung des ranken Erstaunlichen.</b
(Sloganizer)
Andy Angerer
2020-07-29 11:31:13 UTC
Permalink
Post by Stefan+ (Stefan Froehlich)
Das dürfte in etwa das gleiche Zielpublikum haben, wie seinerzeit
die Sissi-Filme: Überwiegend Senioren. Wobei, rein demographisch
betrachtet wäre das vielleicht sogar eine Option...
The young get older
and the old get stronger....


andy, Morrison verhunzend
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Andy Angerer
2020-07-29 11:27:37 UTC
Permalink
Post by F. W.
leicht fischigen Skandinavien-Krimis
:-)))
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Andreas M. Kirchwitz
2020-07-29 11:33:43 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Bond ist ein Kind seiner Zeit. Diese Agentengeschichten waren in
den 1950ern, 60ern, vielleicht noch ein Stück weit in die 70er sehr
beliebt.
[...]
Aber auch nach Jahrzehnten blieb Bond eben Bond. Ein Fossil. Dir
missfällt, dass man zaghaft versucht hat, Bond etwas zu modernisieren.
Mir missfällt, dass es nicht gelungen ist, Bond zu modernisieren.
Vielleicht geht das auch gar nicht, vielleicht ist das, was Bond
ausmacht, schlicht überholt.
Die Bond-Filme haben sich über die Jahre doch durchaus entsprechend
der Zeit angepasst, an die aktuelle politische Gegebenheiten und auch
die Ziele der Bösen haben sich geändert.

Das gelang von Film zu Film mal besser oder auch mal schlechter, aber
Bond wurde fortlaufend modernisiert, ohne dass es viel zu meckern gab,
weil die Figur James Bond sich trotzdem relativ treu geblieben ist.

Jetzt mag jemand einwenden, dass Geheimdienste heute nicht mehr so
funktionieren, dass jemand in einem teuren, auffälligen Auto
vorfährt, seinen immer gleichen Realname sagt und trotzdem kein
Böser initial jemals Verdacht schöpft.

Aber ich glaube, so haben Geheimdienste auch damals in den 60ern
schon nicht funktioniert. :-)
Post by Christian Weisgerber
Post by F. W.
Bond und Frauen. Ein Macho alter Sorte.
Bond und Autos.
Keine Frauen, keine Autos, keine Gadgets.
Wir sind nicht mehr in den 1960ern.
Das funktioniert auch heute noch unverändert bei normalen Menschen,
auch wenn das manche Ökoveganer nicht wahrhaben wollen.
Post by Christian Weisgerber
Vielleicht sollten die Bond-Filme in diesen vergangenen Jahrzehnten
spielen. Für die Gegenwart sind sie anachronistisch.
Die Bond-Filme spielten schon immer in ihrer jeweils aktuellen Zeit
und waren teilweise sogar ihrer Zeit auf unheimliche Weise voraus.

Die Konstante bei allem war die Figur des James Bond, die sich im
Rahmen der Umstände treu geblieben ist. Das hat auch wunderbar
funktioniert. Würde es auch heute noch. James Bond ist zeitlos.

Mit den Craig-Filmen hat man bloß leider die bekannte Figur des
James Bond verworfen und daraus eher einen Anti-James-Bond gemacht.

Die Einspielergebnisse waren trotzdem sehr gut.

Vielleicht ist das heutzutage der Zeitgeist ... Andreas
Andy Angerer
2020-07-29 11:43:28 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Mit den Craig-Filmen hat man bloß leider die bekannte Figur des
James Bond verworfen und daraus eher einen Anti-James-Bond gemacht.
Mit den Fake-Movies hat man bloß leider den bekannten Charakter von
Star Trek verworfen und daraus eher ein Anti-Star-Trek gemacht.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die Einspielergebnisse waren trotzdem sehr gut.
Vielleicht ist das heutzutage der Zeitgeist ...
Tja....
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Andreas M. Kirchwitz
2020-07-29 13:53:15 UTC
Permalink
Post by Andy Angerer
Post by Andreas M. Kirchwitz
Mit den Craig-Filmen hat man bloß leider die bekannte Figur des
James Bond verworfen und daraus eher einen Anti-James-Bond gemacht.
Mit den Fake-Movies hat man bloß leider den bekannten Charakter von
Star Trek verworfen und daraus eher ein Anti-Star-Trek gemacht.
Ich wollte ursprünglich etwas in der Art schreiben, aber dachte,
das ginge im Rahmen der Diskussion zu weit, und außerdem stehe
ich dann wieder als jammernder alter Sack da, der früher alles
besser fand. :-)

Meine Eltern haben damals bereits immer geschimpft, dass diese
oder jene Neuverfilmung doch viel schlechter sei als die Version
aus ihrer Jugend. Ich fand meistens die Neuverfilmung besser.

Geschichte wiederholt sich. Das Leben geht weiter.

Ein alter Sack ... Andreas
Andy Angerer
2020-07-29 15:02:44 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Post by Andy Angerer
Post by Andreas M. Kirchwitz
Mit den Craig-Filmen hat man bloß leider die bekannte Figur des
James Bond verworfen und daraus eher einen Anti-James-Bond gemacht.
Mit den Fake-Movies hat man bloß leider den bekannten Charakter von
Star Trek verworfen und daraus eher ein Anti-Star-Trek gemacht.
Ich wollte ursprünglich etwas in der Art schreiben, aber dachte,
das ginge im Rahmen der Diskussion zu weit, und außerdem stehe
ich dann wieder als jammernder alter Sack da, der früher alles
besser fand. :-)
Willkommen im Klub.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Meine Eltern haben damals bereits immer geschimpft, dass diese
oder jene Neuverfilmung doch viel schlechter sei als die Version
aus ihrer Jugend. Ich fand meistens die Neuverfilmung besser.
Da ich sehr selten beide Versionen gesehen habe, kann ich da nicht
wirklich mitreden. Zumindest kennen tu ich jedenfalls beides.
"Der talentierte Mr. Ripley" zB ist wesentlich besser als "Nur die Sonne
war Zeuge". "Total Recall" hingegen....
Post by Andreas M. Kirchwitz
Geschichte wiederholt sich. Das Leben geht weiter.
Und die jungen Leute heutzutage hören furchtbare Musik.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Ein alter Sack ... Andreas
Dito .... beides
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
F. W.
2020-07-29 11:45:46 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Jetzt mag jemand einwenden, dass Geheimdienste heute nicht mehr so
funktionieren, dass jemand in einem teuren, auffälligen Auto
vorfährt, seinen immer gleichen Realname sagt und trotzdem kein
Böser initial jemals Verdacht schöpft.
Aber ich glaube, so haben Geheimdienste auch damals in den 60ern
schon nicht funktioniert. :-)
Also ein "Geheimdienst" (eig. "Nachrichtendienst") funktioniert
natürlich "geheim", also möglichst unauffällig. Günter Guillaume
beispielsweise war deshalb geeignet, Willy Brandt auszuspionieren, weil
er wie "jedermann" aussah.

Wäre der mit einem Aston-Martin in racing-green aufgetaucht, hätte Willy
sicher Verdacht geschöpft.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Post by Christian Weisgerber
Bond und Frauen. Ein Macho alter Sorte. Bond und Autos. Keine
Frauen, keine Autos, keine Gadgets.
Wir sind nicht mehr in den 1960ern.
Das funktioniert auch heute noch unverändert bei normalen Menschen,
auch wenn das manche Ökoveganer nicht wahrhaben wollen.
Klar. Film als Gegenteil der Realität hat immer schon geklappt.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Post by Christian Weisgerber
Vielleicht sollten die Bond-Filme in diesen vergangenen Jahrzehnten
spielen. Für die Gegenwart sind sie anachronistisch.
Die Bond-Filme spielten schon immer in ihrer jeweils aktuellen Zeit
und waren teilweise sogar ihrer Zeit auf unheimliche Weise voraus.
Hmm...?
Post by Andreas M. Kirchwitz
Mit den Craig-Filmen hat man bloß leider die bekannte Figur des
James Bond verworfen und daraus eher einen Anti-James-Bond gemacht.
Die Einspielergebnisse waren trotzdem sehr gut.
Vielleicht ist das heutzutage der Zeitgeist ... Andreas
Ich denke, die Einspielergebnisse waren gut, weil der Aufwand sehr hoch
war. Wirklich neue Storys hatte Craig nicht zu verkaufen.

Übelst war damals ja die großspurige Ankündigung, jetzt etwas absolut
neues zu machen und James Bond komplett neu zu starten. Deshalb hat man
ja auch "Casino Royale" als erstes verfilmt.

Ging wohl doch irgendwie in die Hose, denn die anderen Filme waren dann
lieber doch keine Remakes mehr.

Und schon Timothy Dalton wurde als "*DER* Bond der Achtziger Jahre"
angekündigt, durfte aber nach zwei Filmchen wieder gehen.

Also PR-mäßig hatten die Broccolis nie ein glückliches Händchen.

FW
Stephan Seitz
2020-07-29 13:32:35 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Mit den Craig-Filmen hat man bloß leider die bekannte Figur des
James Bond verworfen und daraus eher einen Anti-James-Bond gemacht.
Mir hat Craig auch nicht gefallen, ich habe aber auch die Bond-Bücher
nie gelesen. Und es heißt, daß Craig weitaus näher am Buch-Bond ist
als es die anderen Schauspieler je waren.

Stephan
--
| Stephan Seitz E-Mail: stse+***@rootsland.net |
| If your life was a horse, you'd have to shoot it. |
Andreas M. Kirchwitz
2020-07-29 14:04:36 UTC
Permalink
Post by Stephan Seitz
Mir hat Craig auch nicht gefallen, ich habe aber auch die Bond-Bücher
nie gelesen. Und es heißt, daß Craig weitaus näher am Buch-Bond ist
als es die anderen Schauspieler je waren.
Mir fällt bei Deiner Erwähnung der Bücher (die ich ebenfalls nicht
kenne) etwas anderes Interessantes ein:

Ich hatte mir die alten Bonds (Connery, Moore) spaßeshalber in der
englischsprachigen Originalversion angeschaut. Heutzutage ja kein
Problem mehr, früher war die synchronisierte Version alternativlos.

Die deutsche Synchro hat die Filme praktisch durchweg "lockerer"
interpretiert, die Dialoge waren stellenweise völlig albern. Auch
im Original sind zwar immer wieder kleine Gags dabei, aber im
Original wirken die Dialoge insgesamt trockener und ernster.

Wenn ich ehrlich bin, die Originale finde ich schrecklich langweilig,
hingegen die synchronisierten Versionen funktionieren weiterhin für
meinen Geschmack.

Das ist aber keineswegs generell so, dass ich mit alten Originalen
nicht klarkomme, bloß weil ich sie damals initial (und in den
zahlreichen Wiederholungen) in der deutschen Synchro gesehen habe.

Deshalb war ich erstaunt, dass ich ausgerechnet mit den Bonds im
Original so überhaupt nichts anfangen konnte. Das sind ja nun auch
keine vorwiegend dialoglastigen Filme. Eigentlich merkwürdig.

Grüße, Andreas
F. W.
2020-07-30 06:08:19 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die deutsche Synchro hat die Filme praktisch durchweg "lockerer"
interpretiert, die Dialoge waren stellenweise völlig albern. Auch im
Original sind zwar immer wieder kleine Gags dabei, aber im Original
wirken die Dialoge insgesamt trockener und ernster.
Hatten wir schon mal: also "Harsky & Stutch", pardon "Starsky & Hutch",
war als bierernster Krimi kein nennenswerter Erfolg - außer in
Deutschland. Wie das, Durchlaucht?

Da wurde nämlich - Freiheit der ÖR-Sender damals - im "Schnodderdeutsch"
synchronisiert. Andere Serien hatten schon früher damit Erfolg ("Die
Zwei", "Tennisschläger und Kanonen").

Danken sollte man Rainer Brandt, dem viel Arbeit und Ideen zu verdanken
sind: https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Brandt_(Schauspieler).
Merkwürdigerweise kam dem guten Rainer keine besondere Ehre zuteil.

Klar, dass die Amerikaner dann die Drehbücher etwas witziger umschrieben.

FW
Christian Weisgerber
2020-07-30 20:07:55 UTC
Permalink
Post by F. W.
Danken sollte man Rainer Brandt, dem viel Arbeit und Ideen zu verdanken
sind: https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Brandt_(Schauspieler).
Merkwürdigerweise kam dem guten Rainer keine besondere Ehre zuteil.
Rainer Brandt ist eine besondere Schande Deutschlands. Er hat
jahrelang Filme und Serien dem deutschen Publikum zerstört -
unwiederbringlich, da niemand eine Neusynchronisation bezahlen wird.

Wie schon die Goldenen Zitronen texteten:

Ich schrie, o Herr, nimm ihm mit
Lass ich nie mehr aus dem Himmel raus
Und endlich wurden meine Träume Wahrheit
Er schloss die Augen und trat für immer ab
Das Leben ist wieder heiter
Täglich pinkle ich auf die Blumen von seinem Grab
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Cornell Binder
2020-07-31 01:09:24 UTC
Permalink
Post by Christian Weisgerber
Post by F. W.
Danken sollte man Rainer Brandt, dem viel Arbeit und Ideen zu verdanken
sind: https://de.wikipedia.org/wiki/Rainer_Brandt_(Schauspieler).
Merkwürdigerweise kam dem guten Rainer keine besondere Ehre zuteil.
Rainer Brandt ist eine besondere Schande Deutschlands. Er hat
jahrelang Filme und Serien dem deutschen Publikum zerstört -
unwiederbringlich, da niemand eine Neusynchronisation bezahlen wird.
In welcher Relation zu Ivar Combrinck steht sein Werk?


CoBi
--
recently seen in a cinema near me:
Ad Astra - Zu den Sternen ............................................. 2937
Midsommar ............................................................. 2936
The Kitchen: Queens of Crime .......................................... 2935
Andy Angerer
2020-07-29 15:24:39 UTC
Permalink
Post by Stephan Seitz
Mir hat Craig auch nicht gefallen, ich habe aber auch die Bond-Bücher
nie gelesen.
Wer hat das schon?
Bestimmt nicht die, die die Filme gucken.
Denn wer die Bücher gelesen hat, wird die Filme sowieso nicht mögen; das
ist praktisch immer so.
Post by Stephan Seitz
Und es heißt, daß Craig weitaus näher am Buch-Bond ist
als es die anderen Schauspieler je waren.
Das glaub ich sogar auf Anhieb.
Hilft bloß nix; für die Filmgucker ist einfach der alte Bond der echte Bond.
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Cornell Binder
2020-07-30 00:23:16 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die Konstante bei allem war die Figur des James Bond, die sich im
Rahmen der Umstände treu geblieben ist. Das hat auch wunderbar
funktioniert. Würde es auch heute noch. James Bond ist zeitlos.
Zeitlos in welchem Kontext? Nur weil Dinge langezeit unverändert
geblieben sind, heißt das nicht das sie für immer in die
Zeit passen. Bond ist so eine Sache. Die Welt hat sich weiter-
entwickelt. Bond nicht.


CoBi
--
recently seen in a cinema near me:
Ad Astra - Zu den Sternen ............................................. 2937
Midsommar ............................................................. 2936
The Kitchen: Queens of Crime .......................................... 2935
Andreas M. Kirchwitz
2020-07-31 21:58:26 UTC
Permalink
Post by Cornell Binder
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die Konstante bei allem war die Figur des James Bond, die sich im
Rahmen der Umstände treu geblieben ist. Das hat auch wunderbar
funktioniert. Würde es auch heute noch. James Bond ist zeitlos.
Zeitlos in welchem Kontext? Nur weil Dinge langezeit unverändert
geblieben sind, heißt das nicht das sie für immer in die
Zeit passen. Bond ist so eine Sache. Die Welt hat sich weiter-
entwickelt. Bond nicht.
James Bond war in den Filmen praktisch durchweg als Sonnyboy
angelegt. Man erfährt wenig Privates über ihn, er führt ein
scheinbar sorgenfreies Leben ohne Zwänge oder Pflichten.
Dazu noch die spaßigen Gadgets der Agentenwelt für das
Kind im Mann. Eine zeitlose Figur, die immer funktioniert.

Ein Klassiker in Film und TV ... Andreas
Stefan Ram
2020-07-31 22:43:01 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
James Bond war in den Filmen praktisch durchweg als Sonnyboy
angelegt.
Erst kürzlich veröffentlichte Iggy Pop ein Lied "James Bond".

Es geht darin um eine Frau. "She wants to be your James Bond".
Man hört "She trusts no one, not even herself." und
"She'll become a double agent if you try her patience.",
aber insgesamt wirkt der Text nicht besonders kohärent.
Cornell Binder
2020-08-01 13:50:17 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Post by Cornell Binder
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die Konstante bei allem war die Figur des James Bond, die sich im
Rahmen der Umstände treu geblieben ist. Das hat auch wunderbar
funktioniert. Würde es auch heute noch. James Bond ist zeitlos.
Zeitlos in welchem Kontext? Nur weil Dinge langezeit unverändert
geblieben sind, heißt das nicht das sie für immer in die
Zeit passen. Bond ist so eine Sache. Die Welt hat sich weiter-
entwickelt. Bond nicht.
James Bond war in den Filmen praktisch durchweg als Sonnyboy
angelegt. Man erfährt wenig Privates über ihn, er führt ein
scheinbar sorgenfreies Leben ohne Zwänge oder Pflichten.
Dazu noch die spaßigen Gadgets der Agentenwelt für das
Kind im Mann. Eine zeitlose Figur, die immer funktioniert.
Nichts Privates zu wissen ist in der Tat von Vorteil, aber
umgekehrt ist ein sorgenfreier Sunnyboy nichts zeitloses.
Das mag mal erstrebenswert gewesen sein, aber im Laufe der
Zeit ist nicht garantiert das diesem Lebensstil nicht doch
nich ein moralischer Makel anhaftet.

Mal ganz abgesehen davon, daß wir ja jede Menge Interaktions-
muster von Bond kennen, gerade Frauen gegenüber. Gerade
diese halte ich nicht für zeitlos und immer "funktionierend".

Mal abgesehen davon, daß Bond ja nicht im einem dramatisch
leeren Raum lebt. Wir haben inzwischen viele neue Helden-
Schablonen kennengelernt, die Bond mehr und mehr zu einer
anachronistischen Figur machen. Zeitlos ist anders.


CoBi
--
recently seen in a cinema near me:
Ad Astra - Zu den Sternen ............................................. 2937
Midsommar ............................................................. 2936
The Kitchen: Queens of Crime .......................................... 2935
Christian Weisgerber
2020-08-01 14:33:00 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
James Bond war in den Filmen praktisch durchweg als Sonnyboy
angelegt. Man erfährt wenig Privates über ihn, er führt ein
scheinbar sorgenfreies Leben ohne Zwänge oder Pflichten.
- Erwarten Sie von mir, dass ich rede?
- Nein, Mr. Bond. Ich erwarte von Ihnen, dass Sie sterben!

Sorgenfrei stelle ich mir anders vor...
--
Christian "naddy" Weisgerber ***@mips.inka.de
Michael Ottenbruch
2020-08-18 09:02:38 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Mit den Craig-Filmen hat man bloß leider die bekannte Figur des
James Bond verworfen und daraus eher einen Anti-James-Bond gemacht.
Die Einspielergebnisse waren trotzdem sehr gut.
Was mir bei der ganzen Diskussion zu kurz kommt: James Bond war
ursprünglich eine Roman-Figur von Ian Fleming. Wenn man die Romane
gelesen und mit den Filmen verglichen hat, dann stellt man fest, daß
mindestens die ersten) Connery-Verfilmungen durchaus noch am Roman-Bond
orientiert waren, was sich dann mit den Moore-Bonds sehr stark geändert
hat. Die weiteren Nachfolger haben mehr oder weniger stark versucht,
wieder "back to the roots" zu gehen (ich habe kürzlich eine interessante
Rezension gelesen - bin jetzt aber zu faul, sie hervorzugoogeln -, die
diesbezüglich eine Lanze für den bzw. die - demnach unterschätzten -
Timothy-Dalton-Bond(s) gebrochen hat), und mit Daniel Craig ist
(wenigstens) das sehr gut gelungen.

Man kann natürlich lange darüber diskutieren, ob es ein "Wert an sich"
ist, die eine Filmfigur (wieder) getreu der literarischen Vorlage zu
gestalten. Man kann mit einigem Recht dafür streiten, daß der Film-Bond
über die Jahre der "eigentliche" Bond und der Roman-Bond zu einer
historischen Fußnote geworden ist. Man muß das aber nicht so sehen.

Und die subjektive Sichtweise hängt natürlich sicher auch davon ab, ob
man - wie ich - eine Zeit erlebt hat, in der man mehr Bond-Romane
gelesen als Bond-Filme gesehen hatte.
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Andreas M. Kirchwitz
2020-08-18 13:42:25 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Was mir bei der ganzen Diskussion zu kurz kommt: James Bond war
ursprünglich eine Roman-Figur von Ian Fleming. Wenn man die Romane
gelesen und mit den Filmen verglichen hat, dann stellt man fest, daß
mindestens die ersten) Connery-Verfilmungen durchaus noch am Roman-Bond
orientiert waren, was sich dann mit den Moore-Bonds sehr stark geändert
hat.
Inwiefern weichen denn die Filme von den Büchern ab?

Die Filme hatten für mich ihre Höhepunkte immer in den atemberaubenden
Fantasiewelten, welche sich die Schurken aufgebaut hatten. Dazu gab es
innovative Action-Sequenzen, die man in der Form bisher nicht gesehen
hatte. Auch die technischen Gadgets waren ihrer Zeit weit voraus
(heute ist vieles davon Realität geworden). Gedreht wurde zudem oft
an einzigartigen Schauplätzen rund um die Welt. Früher gab es kein
Internet und Reisen war teuer, das kam einem wie Sci-Fi vor. Die Filme
waren zu ihrer Zeit jeweils visionär, absolut fantastisch, Genau so
stellte man sich die aufregende Welt der Geheimagenten vor. :-)

Die Bond-Filme hatten sich dadurch deutlich von anderen Action-Filmen
abgehoben, für mich war das ein konkreter Grund, Bond-Filme zu gucken
und andere Action-Filme eher als nebensächlich zu betrachten.

Angenehm fand ich an Bond-Filmen immer, dass man sich nicht viel
mit Hintergrundgeschichte aufgehalten hat. Auch keine aufdringliche
Love Story oder anderen Gefühlsklamauk. Der Bösewicht steht immer
im Vordergrund mit seinen absurd-genialen Allmachtsfantasien.

Die in manchen Filmen übertriebenen Albernheiten seitens Bond hätte
man gern weglassen können. Das empfand ich als Jugendlicher damals
nicht so störend, aber rückblickend ist es überflüssig und doof.

Wie sind denn die Bücher so? :-)
Post by Michael Ottenbruch
Man kann natürlich lange darüber diskutieren, ob es ein "Wert an sich"
ist, die eine Filmfigur (wieder) getreu der literarischen Vorlage zu
gestalten. Man kann mit einigem Recht dafür streiten, daß der Film-Bond
über die Jahre der "eigentliche" Bond und der Roman-Bond zu einer
historischen Fußnote geworden ist. Man muß das aber nicht so sehen.
Ist es wirklich so schlimm? :-)

Die Craig-Bonds, die ich mir nach der Diskussion hier noch einmal
angeschaut habe, sind keine schlechten Filme. Ich mag Craig. Die
Filme sind kurzweilig. Interessante Schausplätze. Hübsche Frauen.
Nette Action. Die Filme sind grundsätzlich besser, als ich sie in
Erinnerung hatte.

Was mir jedoch fehlt, ist das Visionäre manch früherer Filme.

Die Craig-Bonds haben über die Jahre definitiv versucht, wieder ein
bisschen in diese beim Zuschauer beliebte Richtung zu gehen, aber
insgesamt sind die Craig-Bonds einen Tick zu bodenständig geblieben.
Dafür etwas zu viel Gefühlszeugs (anfangs mehr, später weniger).

Für eine Geheimagenten-Story empfinde ich die Craig-Bonds insgesamt
als zu bieder. Das kommt mir weniger so vor, als wollte man wieder
näher an die Bücher kommen, sondern als hatte man weder Mut noch
Ideen, um den Filmen diesen besonderen Kick mitzugeben, der frühere
Filme - nicht immer, aber oft - zu etwas Besonderem gemacht hat.

Grüße, Andreas
Stephan Seitz
2020-08-18 14:02:43 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Für eine Geheimagenten-Story empfinde ich die Craig-Bonds insgesamt
als zu bieder. Das kommt mir weniger so vor, als wollte man wieder
Ich weiß ja nicht, was du für Geheimagenten kennst, aber ich glaube,
Bond hat mit dem richtigen Agentenleben so wenig gemeinsam wie Indiana
Jones mit Archäologie.

Wenn dir die Craig-Bonds jetzt zu bieder sind, könnte es vielleicht
auch daran liegen, daß man "realistischer" werden will?

Shade and sweet water!

Stephan
--
| Stephan Seitz E-Mail: stse+***@rootsland.net |
| If your life was a horse, you'd have to shoot it. |
Andreas M. Kirchwitz
2020-08-18 14:38:46 UTC
Permalink
Post by Stephan Seitz
Post by Andreas M. Kirchwitz
Für eine Geheimagenten-Story empfinde ich die Craig-Bonds insgesamt
als zu bieder. Das kommt mir weniger so vor, als wollte man wieder
Ich weiß ja nicht, was du für Geheimagenten kennst, aber ich glaube,
Bond hat mit dem richtigen Agentenleben so wenig gemeinsam wie Indiana
Jones mit Archäologie.
Ach so, ich wusste nicht, dass man die Bücher von Ian Fleming
in der Sachbuch-Abteilung findet und nicht bei den Romanen.
Post by Stephan Seitz
Wenn dir die Craig-Bonds jetzt zu bieder sind, könnte es vielleicht
auch daran liegen, daß man "realistischer" werden will?
Genau, der kommende Bond zeigt zwei Stunden lang, wie Daniel Craig
den Abschlussbericht auf der Schreibmaschine ins Formular mit fünf
Durchschlägen eintippt.

Ich glaube, ich drehe einen Film, wie die Tapete in meiner Wohnung
trocknet. Einen begeisterten Zuschauer habe ich ja bereits.

Spaß muss sein :-) Andreas
Stefan+ (Stefan Froehlich)
2020-08-18 14:55:51 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die in manchen Filmen übertriebenen Albernheiten seitens Bond
hätte man gern weglassen können. Das empfand ich als Jugendlicher
damals nicht so störend, aber rückblickend ist es überflüssig und
doof.
Übertrieben ist natürlich immer doof, aber sehr subjektiv. Was war
für Dich zB übertrieben? Ich fand das nicht nur als Jugendlicher
gut, das ist für mich neben den technischen Gadgets eigentlich das,
was Bond ausmacht. Die wechselnden Schauplätze hätte man meinetwegen
nicht gebraucht, und die Allmachtsphantasien der Bösewichte fand ich
in jungen Jahren überzeugender als heute.

Servus,
Stefan
--
http://kontaktinser.at/ - die kostenlose Kontaktboerse fuer Oesterreich
Offizieller Erstbesucher(TM) von mmeike

Spaß mit Stefan, lüstern und absurd!
(Sloganizer)
Michael Ottenbruch
2020-08-18 20:57:00 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Post by Michael Ottenbruch
Was mir bei der ganzen Diskussion zu kurz kommt: James Bond war
ursprünglich eine Roman-Figur von Ian Fleming. Wenn man die Romane
gelesen und mit den Filmen verglichen hat, dann stellt man fest, daß
mindestens die ersten) Connery-Verfilmungen durchaus noch am Roman-Bond
orientiert waren, was sich dann mit den Moore-Bonds sehr stark geändert
hat.
Inwiefern weichen denn die Filme von den Büchern ab?
Das ist ein Mißverständnis. Es geht (mir) hier nicht um die Handlung der
Filme, sondern um die Anlage der Figur James Bond; das ist mit
"Roman-Bond" gemeint, nicht etwa "Bond-Roman". Was die Handlung der
Filme angeht, da gibt es welche, die außer dem Titel nichts mit dem
Roman zu tun haben, andere liegen "relativ" nahe am Roman, manche Filme
haben den Titel einer der Bond-Kurzgeschichten, die verfilmt keine 20
Minuten lang geworden wären. Die Handlungen der Romane - die ich
allerdings bei weitem nicht alle gelesen habe, ich rede hier nur von
einigen, für die das zutrifft - bauen aufeinander auf und sind
fortlaufend. Da sind die Unterschiede also z.T. gewaltig
Post by Andreas M. Kirchwitz
[...]
Wie sind denn die Bücher so? :-)
Ich habe in einm Alter, in dem ich Bond-Filme im Kino noch nicht hätte
sehen dürfen und sie im Fernsehen noch nicht gelaufen waren, "Im Dienste
Ihrer Majestät", "Der Mann mit dem goldenen Colt" und "Du lebst nur
zweimal" gelesen - einfach weil sie bei meinen Eltern als Dreier-Band im
Bücherregal standen - und fand sie spannend, habe sie AFAIR in einem
Rutsch durchgelesen.

Später, in den 1980ern, habe ich mir dann auch selbst einige der Romane
gekauft, sowie eine der Kurzgeschichtensammlungen - ich sehe hier im
Regal:
Casino Royale
Riskante Geschäfte (enthält die Kurzgeschichten "Für Sie persönlich",
Riskante Geschäfte, Ein Minimum an Trost und Der stumme Zeuge)
Mondblitz
Tod im Rückspiegel und
Countdown für die Ewigkeit (der ist allerdings schon von John Gardner)

Casino Royale sieht irgendwie ungelesen aus; ich erinnere mich kaum noch
an die Handlungen der übrigen, aber noch daran, daß ich weniger
fasziniert war als von der drei erstgenannten (an deren Handlung ich
mich weit besser erinnere), mglw. eben deshalb, weil ich mittlerweile
die Connery- und insbesondere die Moore-Filme kannte, und gerade mit den
letzteren - die widerum die ersten waren, die ich im Kino gesehen hatte
- hatte der Roman-Bond wie gesagt wenig zu tun.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Post by Michael Ottenbruch
Man kann natürlich lange darüber diskutieren, ob es ein "Wert an sich"
ist, die eine Filmfigur (wieder) getreu der literarischen Vorlage zu
gestalten. Man kann mit einigem Recht dafür streiten, daß der Film-Bond
über die Jahre der "eigentliche" Bond und der Roman-Bond zu einer
historischen Fußnote geworden ist. Man muß das aber nicht so sehen.
Ist es wirklich so schlimm? :-)
Ja. Man bedenke, daß Roger Moore (* 1927) älter war als Sean Connery
(* 1930), der seinerseits seinen ersten Rückzug aus der Rolle unter
anderem damit begründet hat, er sei mittlerweile zu alt, um die Rolle
glaubwürdig zu verkörpern. Ihn durch Moore zu ersetzen - sechs Jahre
nach diesem ersten Rückzug Connerys von der Rolle, als Moore (zu Beginn
der Dreharbeiten zu "Live and Let Die") 45 Jahre alt war - war in dieser
Hinsicht schon nicht ohne einen gewissen Humor.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die Craig-Bonds, die ich mir nach der Diskussion hier noch einmal
angeschaut habe, sind keine schlechten Filme. Ich mag Craig. Die
Filme sind kurzweilig. Interessante Schausplätze. Hübsche Frauen.
Nette Action.
Das sowieso.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die Filme sind grundsätzlich besser, als ich sie in Erinnerung hatte.
Was mir jedoch fehlt, ist das Visionäre manch früherer Filme.
Das findet sich in den Romanen sowieso nicht.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Die Craig-Bonds haben über die Jahre definitiv versucht, wieder ein
bisschen in diese beim Zuschauer beliebte Richtung zu gehen, aber
insgesamt sind die Craig-Bonds einen Tick zu bodenständig geblieben.
Dafür etwas zu viel Gefühlszeugs (anfangs mehr, später weniger).
Für eine Geheimagenten-Story empfinde ich die Craig-Bonds insgesamt
als zu bieder. Das kommt mir weniger so vor, als wollte man wieder
näher an die Bücher kommen, sondern als hatte man weder Mut noch
Ideen, um den Filmen diesen besonderen Kick mitzugeben, der frühere
Filme - nicht immer, aber oft - zu etwas Besonderem gemacht hat.
Wie gesagt: Von der Hadlung her haben die "Vorlagen" und die Filme
sowieso eher wenig miteinander zu tun, aber den Roman-Bond muß man sich
eher wie die Verkörperung durch Timothy Dalton oder eben Daniel Craig
vorstellen.
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Michael Ottenbruch
2020-08-18 21:30:45 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Später, in den 1980ern, habe ich mir dann auch selbst einige der Romane
gekauft, sowie eine der Kurzgeschichtensammlungen - ich sehe hier im
Casino Royale
Riskante Geschäfte (enthält die Kurzgeschichten "Für Sie persönlich",
Riskante Geschäfte, Ein Minimum an Trost und Der stumme Zeuge)
Mondblitz
Tod im Rückspiegel
Auch das ist eine Kurzgeschichtensammlung. Sie enthält:

Tod im Rückspiegel
Globus - meistbietend zu versteigern
Duell mit doppeltem Einsatz
Die Hildebrand-Rarität
Post by Michael Ottenbruch
und
Countdown für die Ewigkeit (der ist allerdings schon von John Gardner)
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Andy Angerer
2020-08-18 22:03:20 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Die Hildebrand-Rarität
Das klingt jetzt wie ein Ludlum. :o))
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Michael Ottenbruch
2020-08-19 01:30:13 UTC
Permalink
Vielleicht auch noch interessant sind die Originaltitel bzw. die
verschiedenen deutschen Titel, unter denen insbesondere die
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
Später, in den 1980ern, habe ich mir dann auch selbst einige der Romane
gekauft, sowie eine der Kurzgeschichtensammlungen - ich sehe hier im
Casino Royale
Riskante Geschäfte (enthält die Kurzgeschichten "Für Sie persönlich",
Orig.: "For Your Eyes Only" a.k.a. "In tödlicher Mission"
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
Riskante Geschäfte,
Ein Minimum an Trost
Orig.: "A Quantum of Solace" a.k.a. "Ein Quantum Trost"
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
und Der stumme Zeuge)
a.k.a. "Octopussy"
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
Mondblitz
a.k.a. "Moonraker"
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
Tod im Rückspiegel
Tod im Rückspiegel
Orig.: "From A View to A Kill" a.k.a. "Im Angesicht des Todes"
Post by Michael Ottenbruch
Globus - meistbietend zu versteigern
Duell mit doppeltem Einsatz
Orig.: "The Living Daylights" a.k.a. "Der Hauch des Todes"
Post by Michael Ottenbruch
Die Hildebrand-Rarität
Post by Michael Ottenbruch
und
Countdown für die Ewigkeit (der ist allerdings schon von John Gardner)
Hier ist interessant, daß der Origialtitel dieses ersten
James-Bond-Romanes von John Gardner aus dem Jahr 1981 "Licence Renewed"
lautet. Bekanntlich war ja "Lizenz zum Töten" (Orig.: "Licence to Kill")
aus dem Jahr 1989 - der zweite (und letzte) Timothy-Dalton-Bondfilm -
der erste Bond-Film, der nicht nach dem Titel eines Romanes oder einer
Kurzgeschichte von Ian Fleming benannt wurde; zwischenzeitlich sollte
der Titel des Filmes auch mal "Licence Revoked" lauten. Die Ähnlichkeit
zum Titel dieses Romanes - AFAIR des ersten James-Bond-Romanes, der mit
Zustimmung der Erben nach dem Tod von Ian Fleming erschien - ist aber
schon auffällig. Gardner schreib dann 1989 auch die Romanfassung nach
dem Drehbuch von "Licence To Kill" (dito 1995 zu "Goldeneye").
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Michael Ottenbruch
2020-08-19 01:47:21 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
Countdown für die Ewigkeit (der ist allerdings schon von John Gardner)
Hier ist interessant, daß der Origialtitel dieses ersten
James-Bond-Romanes von John Gardner aus dem Jahr 1981 "Licence Renewed"
lautet. Bekanntlich war ja "Lizenz zum Töten" (Orig.: "Licence to Kill")
aus dem Jahr 1989 - der zweite (und letzte) Timothy-Dalton-Bondfilm -
der erste Bond-Film, der nicht nach dem Titel eines Romanes oder einer
Kurzgeschichte von Ian Fleming benannt wurde; zwischenzeitlich sollte
der Titel des Filmes auch mal "Licence Revoked" lauten. Die Ähnlichkeit
zum Titel dieses Romanes - AFAIR des ersten James-Bond-Romanes, der mit
Zustimmung der Erben nach dem Tod von Ian Fleming erschien -
Vielleicht trügt mich hier aber mein Gedächtnis auch: Kingsley Amis
veröffentlichte 1968 unter dem Pseudonym Robert Markham "Colonel Sun"
(deutsch: "007 James Bond auf der griechischen Spur".
Scherz-Action-Krimi Bd. 53, 1969 - auf einigen deutschen Ausgaben wird
fälschlich Ian Fleming als Autor genannt). Inwieweit das mit Zustimmung
der Erben geschah, geht aus den mir auf die Schnelle zugänglichen
Quellen - also hauptsächlich Wikipedia - nicht hervor, aber auch nichts
Gegenteiliges.

Und für eine gründlichere Recherche fehlt mir in Anbetracht der
Tageszeit trotz der Hitze in meinem Schlafzimmer (Dachgeschoß,
Dachschrägen ...) die Lust.
Post by Michael Ottenbruch
ist aber
schon auffällig. Gardner schreib dann 1989 auch die Romanfassung nach
dem Drehbuch von "Licence To Kill" (dito 1995 zu "Goldeneye").
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Michael Ottenbruch
2020-08-19 01:55:14 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
Countdown für die Ewigkeit (der ist allerdings schon von John Gardner)
Hier ist interessant, daß der Origialtitel dieses ersten
James-Bond-Romanes von John Gardner aus dem Jahr 1981 "Licence Renewed"
lautet. Bekanntlich war ja "Lizenz zum Töten" (Orig.: "Licence to Kill")
aus dem Jahr 1989 - der zweite (und letzte) Timothy-Dalton-Bondfilm -
der erste Bond-Film, der nicht nach dem Titel eines Romanes oder einer
Kurzgeschichte von Ian Fleming benannt wurde; zwischenzeitlich sollte
der Titel des Filmes auch mal "Licence Revoked" lauten. Die Ähnlichkeit
zum Titel dieses Romanes - AFAIR des ersten James-Bond-Romanes, der mit
Zustimmung der Erben nach dem Tod von Ian Fleming erschien -
Vielleicht trügt mich hier aber mein Gedächtnis auch: Kingsley Amis
veröffentlichte 1968 unter dem Pseudonym Robert Markham "Colonel Sun"
(deutsch: "007 James Bond auf der griechischen Spur".
Scherz-Action-Krimi Bd. 53, 1969 - auf einigen deutschen Ausgaben wird
fälschlich Ian Fleming als Autor genannt). Inwieweit das mit Zustimmung
der Erben geschah, geht aus den mir auf die Schnelle zugänglichen
Quellen - also hauptsächlich Wikipedia - nicht hervor, aber auch nichts
Gegenteiliges.
Und für eine gründlichere Recherche fehlt mir in Anbetracht der
Tageszeit trotz der Hitze in meinem Schlafzimmer (Dachgeschoß,
Dachschrägen ...) die Lust.
Na gut, soviel noch: Im Wikipedia-Artikel über Amis heißt es:

"Eine besondere Vorliebe hatte Amis für die Spionageromane von Ian
Fleming, mit dem er auch persönlich befreundet war. Mit "Geheimakte 007"
schrieb er eine umfangreiche Analyse des berühmtesten Geheimagenten der
Welt, James Bond, und nach dem Tod Flemings wurde ihm als Erstem die
Ehre zuteil, die Serie fortsetzen zu dürfen (James Bond auf der
griechischen Spur, 1968)."
https://de.wikipedia.org/wiki/Kingsley_Amis#Einzelne_Werke

Also wahrscheinlich mit Zustimmung der Rechteinhaber.
Post by Michael Ottenbruch
Post by Michael Ottenbruch
ist aber
schon auffällig. Gardner schreib dann 1989 auch die Romanfassung nach
dem Drehbuch von "Licence To Kill" (dito 1995 zu "Goldeneye").
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Michael Ottenbruch
2020-08-18 21:46:37 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Ja. Man bedenke, daß Roger Moore (* 1927) älter war als Sean Connery
(* 1930), der seinerseits seinen ersten Rückzug aus der Rolle unter
anderem damit begründet hat, er sei mittlerweile zu alt, um die Rolle
glaubwürdig zu verkörpern. Ihn durch Moore zu ersetzen - sechs Jahre
nach diesem ersten Rückzug Connerys von der Rolle, als Moore (zu Beginn
der Dreharbeiten zu "Live and Let Die") 45 Jahre alt war - war in dieser
Hinsicht schon nicht ohne einen gewissen Humor.
Um das zu verdeutlichen habe ich nochmal die Wikipedia bemüht:
Lt. den Angaben in John Pearons Buch "James Bond: The Authorized
Biography" wurde Bond am 11. November 1920 geboren, "[d]en letzten
Angaben von Ian Flemig selbst zufolge dürfte Bond freilich erst 1924
geboren sein". Die - wie gesagt chronologische - Handlung der Romane
spielt zwischen Mai 1951 (Casino Royale) und Februar 1964 (Der Mann mit
dem goldenen Colt), also als Bond in einem Alter zwischen 31 und 43
Jahren (nach Pearsons Angaben) bzw. zwischen 27 und 39 Jahre alt (nach
Flemings Angaben) war - oder anders ausgedrückt: Auf der Grundlage von
Flemings Angaben war Roger Moore bei seinem ersten Auftritt als Bond
bereits sechs Jahre älter als dieser selbst bei seinem letzten.

Erst bei dieser Recherche ist mir übrigens aufgefallen, daß die drei
ersten Bond-Romane, die ich gelesen habe, chronologisch die letzten
waren - sieht man einmal von der Tatsache ab, daß der Roman "Der Spion,
der mich liebte" chronologisch zwischen dem ersten und dem zweiten Teil
der Handlung von "Im Geheimdienst ihrer Majestät" spielt.
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Andreas M. Kirchwitz
2020-08-19 13:59:55 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Post by Andreas M. Kirchwitz
Für eine Geheimagenten-Story empfinde ich die Craig-Bonds insgesamt
als zu bieder. Das kommt mir weniger so vor, als wollte man wieder
näher an die Bücher kommen, sondern als hatte man weder Mut noch
Ideen, um den Filmen diesen besonderen Kick mitzugeben, der frühere
Filme - nicht immer, aber oft - zu etwas Besonderem gemacht hat.
Wie gesagt: Von der Hadlung her haben die "Vorlagen" und die Filme
sowieso eher wenig miteinander zu tun, aber den Roman-Bond muß man sich
eher wie die Verkörperung durch Timothy Dalton oder eben Daniel Craig
vorstellen.
Vielen Dank für Deine ausführlichen Gedanken zu den Büchern
(besonders zum Schmunzeln die wiederholten Followups ;-)
Ich kenne die Bücher ja nicht und es ist spannend, wie die
im Verhältnis zu den Filmen stehen.

Was den Roman-Bond betrifft (also die Figur, nicht die Story),
tappe ich jedoch noch etwas im Dunkeln, weil man zumindest in den
Filmen so wenig über die Figur erfährt (die große Bühne hat meist
der Schurke, nicht Bond selbst), dass mir noch nicht ganz klar ist,
was den Roman-Bond so sehr vom Film-Bond unterscheidet.

Connery, Dalton und Craig haben Bond eher normaler gespielt,
ein bisschen Macho sicherlich, kaum übertrieben, halt eher so
ein typischer "Kerl" eben, dazu passten die Frauengeschichten.
Bei Craig war es manchmal zu sehr "geprügelter Hund", was aber
nicht an Craig selbst lag, sondern so war eben die Story, die
er zu spielen hatte.

Moore und Brosnan haben Bond eher abgehoben gespielt, irgendwie
versnobbt. Sollte vermutlich "very british" wirken. Leider hat
man ihnen dadurch manche Prügelei oder Actionsequenz nicht ganz
abgenommen, auch die Frauengeschichten wirkten daher merkwürdig.

Weil James Bond nie wirklich im Mittelpunkt steht in den Filmen
und man über ihn so gut wie nichts erfährt, war es mir aber auch
nicht sooo wichtig, wie der Film-Bond nun genau dargestellt wird.

Eigentlich ist es auch falsch, Craig zu kritisieren, denn seine
Bond-Darstellung finde ich eigentlich ziemlich geil, sondern mein
wahres Problem ist mit der Story, die sich für mich zu sehr von
der Agentenwelt entkoppelt hat. Die Craig-Bonds sind viel näher
an normaler Action. Action find ich ja gut, aber von einem
James-Bond-Film erwarte ich eben mehr Agenten-bezogene Action,
und da gehören auch zum Beispiel Gadgets mit dazu.

Selbst im Jahr 2020 und nach den Snowden-Enthüllungen arbeiten
Geheimdienste mit Mitteln, die jenseits unserer normalen
Vorstellungen liegen. Da können Filmemacher sich also austoben
und genial mit ihrer (und unserer) Fantasie spielen.

Dieses Potential wurde in den letzten Bond-Filmen meiner Meinung
nicht richtig genutzt (in manch früheren Bonds auch nicht, aber
das ist ja keine Entschuldigung). Die Bücher mögen hier nie einen
Fokus gehabt haben, doch für die Filme ist es ein Markenzeichen,
um sich von normalen Action-Filmen zu unterscheiden und abzuheben.

Okay, vom Thema abgedriftet. :-)

Bleibt immer noch die Frage, wie der Roman-Bond denn so ist,
nicht nur aber auch im Vergleich mit den Film-Bonds.

Trotz allen Gemeckers, ich bin Bond-Fan ... Andreas
Andy Angerer
2020-08-19 14:25:21 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Okay, vom Thema abgedriftet. :-)
Find ich nicht.
Und ich les immer noch interessiert mit.
Obwohl ich kein Fan bin und nur etwa die Hälfte der Filme gesehen hab.
--
**** Die andere Site ****
(mit den anderen Links)
www.angerer-bodenlos.de
Michael Ottenbruch
2020-08-19 15:55:48 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Post by Michael Ottenbruch
Post by Andreas M. Kirchwitz
Für eine Geheimagenten-Story empfinde ich die Craig-Bonds insgesamt
als zu bieder. Das kommt mir weniger so vor, als wollte man wieder
näher an die Bücher kommen, sondern als hatte man weder Mut noch
Ideen, um den Filmen diesen besonderen Kick mitzugeben, der frühere
Filme - nicht immer, aber oft - zu etwas Besonderem gemacht hat.
Wie gesagt: Von der Hadlung her haben die "Vorlagen" und die Filme
sowieso eher wenig miteinander zu tun, aber den Roman-Bond muß man sich
eher wie die Verkörperung durch Timothy Dalton oder eben Daniel Craig
vorstellen.
Vielen Dank für Deine ausführlichen Gedanken zu den Büchern
(besonders zum Schmunzeln die wiederholten Followups ;-)
Wenn man nachts wegen der Hitze nicht schlafen kann, dann kommt es halt
mehrfach vor, daß man denkt: "So, jetzt ist aber gut!" Dann legt man
sich wieder hin, kann wieder nicht einschlafen, denkt also weiter
darüber nach und dann: "ja, das hätte ich auch noch erwähnen sollen."
Aufstehen, Rechner, nächste Runde. :-)
Post by Andreas M. Kirchwitz
Ich kenne die Bücher ja nicht und es ist spannend, wie die
im Verhältnis zu den Filmen stehen.
Was den Roman-Bond betrifft (also die Figur, nicht die Story),
tappe ich jedoch noch etwas im Dunkeln, weil man zumindest in den
Filmen so wenig über die Figur erfährt (die große Bühne hat meist
der Schurke, nicht Bond selbst), dass mir noch nicht ganz klar ist,
was den Roman-Bond so sehr vom Film-Bond unterscheidet.
Connery, Dalton und Craig haben Bond eher normaler gespielt,
ein bisschen Macho sicherlich, kaum übertrieben, halt eher so
ein typischer "Kerl" eben, dazu passten die Frauengeschichten.
Bei Craig war es manchmal zu sehr "geprügelter Hund", was aber
nicht an Craig selbst lag, sondern so war eben die Story, die
er zu spielen hatte.
Yup! Genau darum geht es. Natürlich ist auch der Roman-Bond ein harter
Hund, und auch den Frauen gegenüber nicht abgeneigt, aber auch echter
Gefühle fähig, was man bsplsw. an seiner Heirat in "Im Geheimdienst
Ihrer Majestät" sehen kann (wo der Film übrigens tatsächlich eine
weitgehend werkgetreue - im Rahmen des Medienwechsels - Verfilmung der
Vorlage ist).
Post by Andreas M. Kirchwitz
Moore und Brosnan haben Bond eher abgehoben gespielt, irgendwie
versnobbt. Sollte vermutlich "very british" wirken. Leider hat
man ihnen dadurch manche Prügelei oder Actionsequenz nicht ganz
abgenommen, auch die Frauengeschichten wirkten daher merkwürdig.
Dazu kommt inbesondere bei Moore die übertriebene und tlw. bemühte
"Witzigkeit", die dem Original völlig fehlt: Natürlich hat der auch
Humor, aber er ist kein Komiker. Aber den jugendlichen Draufgänger hat
man Moore eben scon rein altersmäßig nicht mehr abgekauft, und
wahrscheinlich sollte die Komik das ersetzen. (Nicht mißverstehen: Ich
bin ein großer Moore-Fan, auch unabhängig von seinen Bond-Filmen, aber
das war eben nicht der Roman-Bond.)
Post by Andreas M. Kirchwitz
Weil James Bond nie wirklich im Mittelpunkt steht in den Filmen
und man über ihn so gut wie nichts erfährt, war es mir aber auch
nicht sooo wichtig, wie der Film-Bond nun genau dargestellt wird.
Genau deshalb gehen mir alberne Diskussionen darüber, aus Wein welchen
Jahrganges ein bestimmter Sherry gemacht ist, ziemlich auf den Keks.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Eigentlich ist es auch falsch, Craig zu kritisieren, denn seine
Bond-Darstellung finde ich eigentlich ziemlich geil, sondern mein
wahres Problem ist mit der Story, die sich für mich zu sehr von
der Agentenwelt entkoppelt hat. Die Craig-Bonds sind viel näher
an normaler Action. Action find ich ja gut, aber von einem
James-Bond-Film erwarte ich eben mehr Agenten-bezogene Action,
und da gehören auch zum Beispiel Gadgets mit dazu.
Selbst im Jahr 2020 und nach den Snowden-Enthüllungen arbeiten
Geheimdienste mit Mitteln, die jenseits unserer normalen
Vorstellungen liegen. Da können Filmemacher sich also austoben
und genial mit ihrer (und unserer) Fantasie spielen.
Dieses Potential wurde in den letzten Bond-Filmen meiner Meinung
nicht richtig genutzt (in manch früheren Bonds auch nicht, aber
das ist ja keine Entschuldigung). Die Bücher mögen hier nie einen
Fokus gehabt haben, doch für die Filme ist es ein Markenzeichen,
um sich von normalen Action-Filmen zu unterscheiden und abzuheben.
So viele Gadgets gab es in den Romanen auch nicht (ich erinnere mich an
"hausgemachte" Geheimtinte in "Im Dienste Ihrer Majestät").
Post by Andreas M. Kirchwitz
Okay, vom Thema abgedriftet. :-)
Bleibt immer noch die Frage, wie der Roman-Bond denn so ist,
nicht nur aber auch im Vergleich mit den Film-Bonds.
Genau so, wie Du mich erfreulicherweise verstanden hast.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Trotz allen Gemeckers, ich bin Bond-Fan ... Andreas
Dito.
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Stephan Hellwig
2020-08-20 19:55:00 UTC
Permalink
Moinsen,
Post by Andreas M. Kirchwitz
Inwiefern weichen denn die Filme von den Büchern ab?
Fundamental. Würde ich mal so sagen.
Von Ian Flemings Kunstfigurengeschichten wurden für die Filme nur einige
wenige Aspekte übernommen: James Bond, 007, die Lizenz zum Töten, M. Die
Bösewichter Auric Goldfinger und Dr. No gab es namentlich in den Büchern,
Auch Felix Leitner, sein CIA-Kollege wird erwähnt.
Ansonsten wurden vorrangig die Buchtitel übernommen. Fun Fact: Zumindest
in den ersten James Bond-Verfilmungen war Ian Fleming 'Berater am Set'.

Immer wieder waren die Bermudas Ort des Geschehens - wie in den Büchern.
Der Hauptgrund: Ian Fleming lebte dort. Das war auch die Crux an den
Büchern: Seitenweise Elogien zu Flora und Fauna des Inselstaates; durchaus
ermüdend beim Lesen. Dennoch entfalten Ian Flemings Werke einen nahezu
realistischen Einblick in die Zeit des "kalten Krieges", inklusive der
Sinnfrage nach dem Leben, Überleben und dem ganzen Rest seitens des
Protagonisten.
Eine Vielzahl seiner Bücher bestand allerdings aus Kurzgeschichten mit
maximal 50 Seiten.
Die Filme selber haben so gut wie gar nichts mit den Büchern zu tun.
Besonders eklatant wich "Der Spion, der mich liebte" von der literarischen
Vorlage ab. Im Film bedroht Curd Jürgens als Stromberg die Welt mit zwei
gekaperten U-Booten der Großmächte mit deren Kernwaffen, auf daß sich die
USA und die UdSSR gegenseitig vernichten, weil sie den jeweiligen Gegner
für den atomaren Erstschlag verantwortlich machen sollen.
Im Buch sitzt James Bond in einer einsam gelegenen Imbißbude, als diese
von zwei Berufskillern überfallen und belagert wird. In einer Feuerpause
vernascht 007 die anwesende Kellnerin. Daher der Titel, denn der Roman
wurde aus der Perspektive der Kellnerin geschrieben.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Auch die technischen Gadgets waren ihrer Zeit weit voraus
(heute ist vieles davon Realität geworden).
Allerdings gibt es auch weiterhin keine magnetischen Armbanduhren, mit
deren Hilfe man die Alureißverschlüsse am Kleid der jeweiligen temporären
Gespielin von 007 öffnen konnte. Ich erinnere mich nicht an irgendein
Gadget in den Büchern.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Angenehm fand ich an Bond-Filmen immer, dass man sich nicht viel
mit Hintergrundgeschichte aufgehalten hat. Auch keine aufdringliche
Love Story oder anderen Gefühlsklamauk. Der Bösewicht steht immer
im Vordergrund mit seinen absurd-genialen Allmachtsfantasien.
Wie gesagt: Die Filme haben mit den Büchern nahezu nichts zu tun.
Allerdings läßt Ian Fleming seinen Protagonisten häufiger über das
nachdenken, was er gerade tun möchte oder bereits getan hat. Er
hinterfragt u.a. auch seine eigene Motivation.
Post by Andreas M. Kirchwitz
Wie sind denn die Bücher so? :-)
Ich kenne nur die Veröffentlichung aus dem Scherz-Verlag. Und schon
damals, ca. 1978, waren die meisten Titel OOP.
Die Bücher beschreiben einen ganz anderen James Bond. Und ganz andere
Krisen und Vorfälle.
Es soll aber eine Neuauflage von Ian Flemings Werken geben (aus dem Kult-
Verlag?)
Post by Andreas M. Kirchwitz
Für eine Geheimagenten-Story empfinde ich die Craig-Bonds insgesamt
als zu bieder.
Dann wirst Du die Bücher eher nicht mögen. :-)

Gruß
Stephan
--
Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu bauen. Wowereit
Stephan Seitz
2020-08-21 06:34:44 UTC
Permalink
Post by Stephan Hellwig
Post by Andreas M. Kirchwitz
Inwiefern weichen denn die Filme von den Büchern ab?
Fundamental. Würde ich mal so sagen.
Stimmt es eigentlich, daß Bond im Buch "Liebesgrüße aus Moskau"
stirbt? Er bekommt einen Tritt mit einem Giftstachel.

Shade and sweet water!

Stephan
--
| Stephan Seitz E-Mail: stse+***@rootsland.net |
| If your life was a horse, you'd have to shoot it. |
Stephan Hellwig
2020-08-24 20:37:00 UTC
Permalink
Moinsen,
Post by Stephan Seitz
Stimmt es eigentlich, daß Bond im Buch "Liebesgrüße aus Moskau"
stirbt? Er bekommt einen Tritt mit einem Giftstachel.
Ich hatte mich am Wochenende mal durch meinen Keller gewühlt, aber leider
nichts gefunden. Ich nehme mal an, daß ich die Bücher aus meiner frühen
Adoleszenzzeit ausgelagert habe. Ich hoffe, ich finde da mal etwas...

An den Buchinhalt selber erinnere ich mich nicht mehr.
Sorry

Stephan
--
Niemand hat die Absicht, einen Flughafen zu bauen. Wowereit
Michael Ottenbruch
2020-08-25 21:02:01 UTC
Permalink
Post by Stephan Seitz
Post by Stephan Hellwig
Post by Andreas M. Kirchwitz
Inwiefern weichen denn die Filme von den Büchern ab?
Fundamental. Würde ich mal so sagen.
Stimmt es eigentlich, daß Bond im Buch "Liebesgrüße aus Moskau"
stirbt? Er bekommt einen Tritt mit einem Giftstachel.
Die Handlungszusammenfassung des Romanes in der de-WP endet mit den
Worten:

| Klebb hat sich als harmlose alte Frau getarnt, und Bond entgeht nur
| knapp einer Falle und ihren mit Gift präparierten Stricknadeln, bevor er
| sie überwältigen kann. Noch bevor die inzwischen eingetroffenen
| Franzosen Klebb abführen, gelingt es dieser, Bond mit einer im Schuh
| versteckten, vergifteten Klinge am Bein zu verletzen. Die Geschichte
| endet, als Bond bewusstlos zu Boden sinkt.
|
| Bond wird später von M berichtet, dass Rosa Klebb in der Haft gestorben
| ist.
| https://de.wikipedia.org/wiki/Liebesgr%C3%BC%C3%9Fe_aus_Moskau_(Roman)

Falls ich der deutschen Sprache noch einigermaßen mächtig bin, bedeutet
das im Zusammenhang, daß besagter Bericht nach dem Ende der Geschichte
erfolgt. Mein Logikmodul bezweifelt das.

Aber daß der Roman mit Bonds Tod endet, war in meinem Bekanntenkreis
eigentlich immer schon Allgemeingut.

Die IMDb weiß:

| The first line of the Ian Fleming James Bond novel "From Russia with
| Love" reads: "The naked man who lay splayed out on his face beside the
| swimming pool might have been dead." The last line of the novel reads:
| "He said, or thought he said, 'I've already got the loveliest...'. Bond
| pivoted slowly on his heel and crashed headlong to the wine-red floor."
| Bond dies a happy, protracted death after being lightly wounded by Rosa
| Klebb's shoe with a poisoned knife. Ian Fleming was frustrated with the
| lack of success the novels had had. But when this turned out to be a
| bestseller, Fleming continued the series instead, and later said "From
| Russia with Love" was the best of all of the Bond novels.
| https://www.imdb.com/title/tt0057076/trivia?item=tr0717899
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Michael Ottenbruch
2020-08-25 21:54:14 UTC
Permalink
Post by Michael Ottenbruch
Die Handlungszusammenfassung des Romanes in der de-WP endet mit den
| Klebb hat sich als harmlose alte Frau getarnt, und Bond entgeht nur
| knapp einer Falle und ihren mit Gift präparierten Stricknadeln, bevor er
| sie überwältigen kann. Noch bevor die inzwischen eingetroffenen
| Franzosen Klebb abführen, gelingt es dieser, Bond mit einer im Schuh
| versteckten, vergifteten Klinge am Bein zu verletzen. Die Geschichte
| endet, als Bond bewusstlos zu Boden sinkt.
|
| Bond wird später von M berichtet, dass Rosa Klebb in der Haft gestorben
| ist.
| https://de.wikipedia.org/wiki/Liebesgr%C3%BC%C3%9Fe_aus_Moskau_(Roman)
Falls ich der deutschen Sprache noch einigermaßen mächtig bin, bedeutet
das im Zusammenhang, daß besagter Bericht nach dem Ende der Geschichte
erfolgt. Mein Logikmodul bezweifelt das.
Mir fällt gerade auf, daß es eine Möglichkeit gibt, das doch logisch zu
parsen: Es ergibt dann Sinn, wenn der Bericht von M an Bond in einem
späteren Roman (oder auch einer späteren Kurzgeschichte) erfolgt - daß
Fleming aufgrund des Erfolges des Romanes die Serie dann doch
fortgesetzt hat, obwohl Bond am Ende des Romanes gestorben war, ist ja
bekannt.
--
...und tschuess!

Michael
E-mail: ***@sailor.ping.de
Loading...