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Extraction (2020)
(zu alt für eine Antwort)
Andreas M. Kirchwitz
2020-04-25 02:52:04 UTC
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Weil ja Action-Filme gerade Thema sind ...

Netflix hat brandneu die Eigenproduktion "Extraction" im Angebot,
in der sich Chris Hemsworth unter der Regie von Sam Hargrave durch
Bangladesch ballert.

Dreckig, hart, ernst, brutal, realitätsnah. Kein buntes Feuerwerk
wie bei einem Michael Bay, sondern nüchtern-sachlicher Close Combat
im Stil von Black Hawk Down.

Ob Zufall oder inspiriert von 1917 - in der ersten Hälfte gibt es
eine sehr lange Action-Sequenz, die wie in einem Shot aufgebaut ist.
Wirklich beeindruckend. Hat was von Ego Shooter. Bei einigen der
Kamerafahrten bin ich neugierig auf ein Making Of, wie sie das
hinbekommen haben (übrigens auch bei 1917 zu empfehlen, ist dort
oft spannender als der Film selbst).

Extraction wirkt erfrischend unangepasst, der Film biedert sich nicht
beim Zuschauer an, sondern Sam Hargrave zieht sein Ding durch, und von
Action versteht er ja nun definitiv was.

Ist es ein guter Film? Na ja, die Handlung ist dünn, Überraschungen
gibt es nicht. Das wäre bei so viel Action ja noch verzeihlich,
doch ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, welchen Zeitdruck
die Protagonisten eigentlich haben. Warum warten sie nicht einfach ab,
bis sich alles beruhigt hat? Die Frage taucht sogar im Film auf, doch
zu einer Beantwortung kommt es aus anderen Gründen nicht...

Die kurz angerissene Background-Story der Figur von Hemsworth passt
filmisch nicht so recht ins Action-Spektakel, wirkt wie ein Fremdkörper,
hätte man meiner Meinung nach einfach weglassen sollen.

Extraction ist sehr kurzweilig, jedoch nicht so richtig spannend.

Die Action macht trotzdem Spaß, deshalb erwähne ich den Film hier.
Mehr darf man aber nicht erwarten. Wer kein Netflix hat, kann
sich alternativ noch mal Black Hawk Down anschauen, das ist nach
fast zwanzig Jahren immer noch eine Klasse für sich.

Grüße, Andreas
Michael Pachta
2020-04-25 10:11:22 UTC
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Post by Andreas M. Kirchwitz
realitätsnah
Ich habe den Film gestern gesehen. Warum Dutzende von Polizisten einer
Spezialeinheit (also solche mit Stahlhelmen, Masken und
Schnellfeuerwaffen) dem Helden wie bei einem "Shoot 'em up" einfach
immer wieder vor die Knarre laufen, wollte sich mir nicht erschließen.
OK, da der Regisseur wohl einen dreistelligen Body Count wollte, musste
das so sein :-)
Andreas M. Kirchwitz
2020-04-25 13:56:04 UTC
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Post by Michael Pachta
Post by Andreas M. Kirchwitz
realitätsnah
Ich möchte sicherheitshalber betonen, dass ich mit "realitätsnah"
die Machart der Action meinte, keinesfalls Handlung oder Logik. :-)
Post by Michael Pachta
Ich habe den Film gestern gesehen. Warum Dutzende von Polizisten einer
Spezialeinheit (also solche mit Stahlhelmen, Masken und
Schnellfeuerwaffen) dem Helden wie bei einem "Shoot 'em up" einfach
immer wieder vor die Knarre laufen, wollte sich mir nicht erschließen.
Nein, nein, nein, das war keine Spezialeinheit mit Masken, sondern
das waren selbstgenähte Corona-Masken, und die Polizisten, die sonst
normalerweise Strafzettel für Falschparken verteilen, haben da ganz
schlecht durch gucken können, deshalb sind sie dem Protagonisten
immer unbeholfen vor die Knarre gelaufen.
Post by Michael Pachta
OK, da der Regisseur wohl einen dreistelligen Body Count wollte, musste
das so sein :-)
Der Regisseur hat als Stuntman und Stunt-Coordinator in großen
Blockbustern Karriere gemacht. Ich hoffe, dadurch wird manches
bei diesem Film verständlicher. :-)

Bei vielen Netflix-Eigenproduktionen habe ich das Gefühl, dass
es nicht an Geld, großen Namen und künstlerischer Freiheit mangelt,
aber es fehlt am Ende irgendwie der Feinschliff.

Besser als ein Tatort mit Til Schweiger ist es aber allemal, hehe.

Grüße, Andreas
Cornell Binder
2020-04-25 19:03:50 UTC
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Post by Andreas M. Kirchwitz
Bei vielen Netflix-Eigenproduktionen habe ich das Gefühl, dass
es nicht an Geld, großen Namen und künstlerischer Freiheit mangelt,
aber es fehlt am Ende irgendwie der Feinschliff.
Das dürfte eine Variation des Makler-Problems sein. :)

Für's Kino und allgemein Verwertungsketten kann man sich
halt bei der Produktion überlegen, wieviel mehr man noch
erlösen kann, wenn man jetzt mehr Geld in die Produktion
steckt. Da gibt's keine Garantien, aber das Prinzip sollte
klar sein.

Wenn ich das Produkt aber gar nicht lizensieren will,
sondern nur für mich selbst verwende und ich selbst dann
noch nicht mal eine klare Erlösrechnung habe, wird es
deutlich schwieriger zu entscheiden wieviel Geld ich in die
Produktion stecke.

Im Endeffekt kann ich das nur mit den Einkaufskosten
abgleichen. Was würde mich ein vergleichbarer Film kosten,
wenn ich ihn für Zeitraum X lizensiere?

Und "vergleichbar" ist hier der Knackpunkt. Wegen einzelner
Filme wird niemand Netflix abonnieren. Es muß da eine
gewisse Grundmasse geben die für einen paßt, damit man das
Abo nicht kündigt. Auch ein Problem an dem Disney arbeiten
muss!

Während Disney allerdings jede Menge IPs hat für die es
exklusive Inhalte produzieren kann, muß Netflix solche
Marken erstmal schaffen. Sobald eine Serie erfolgreich ist,
weil man natürlich noch weitere Staffeln sehen und behält
das Abo. Aber bei Filmen ist das deutlich schwieriger. Film
zur Serie läßt sich verkaufen. Aber Film ohne Bezug? Das
geht aktuell nur über die Starpower. Wir haben ja die
letzten Jahre viele Vehikel die um (streaming) populäre
Stars drum geschrieben wurden. Also Filme mit Stars in
Themen die gern gesehen werden.

Und da kommt man dann an den Punkt das man ab einem
bestimmten Produktionsaufwand die Anzahl der befriedigten
Zuschauer nicht mehr steigern kann.

Was hätte Netflix von einem Marvel-Blockbuster? Würde man
deswegen ein Abo abschließen um diesen einen Film zu sehen?
Würde Netflix den Film klassisch zuerst im Kino auswerten
und dann exklusiv in der eigenen Bibliothek halten? (Für
Disney ist das ja automatisch eingebaut.)


Angesichts der aktuellen Schwemme an Streaming-Angeboten
gibt es viele spannende Gedankenspiele ob Exklusivität
überhaupt (wirtschaftlich) sinnvoll ist und gerade die
kleineren Anbieter doch am Ende drauf angewiesen sind die
eigen produzierten Inhalte auch an andere zu lizensieren.

Das ist auch das große Fragezeichen für die Zukunft von
AppleTV+. Im Endeffekt zahlen die meisten ja gar nicht, weil
man im Rahmen eines Neugerätes ein Jahresabo geschenkt
bekommt. Und Apple hat viel zu wenig Output um ein Dauerabo
zu rechtfertigen, etc.

Alles sehr, sehr spannend.


CoBi
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Andreas M. Kirchwitz
2020-04-29 03:56:06 UTC
Permalink
Post by Cornell Binder
Post by Andreas M. Kirchwitz
Bei vielen Netflix-Eigenproduktionen habe ich das Gefühl, dass
es nicht an Geld, großen Namen und künstlerischer Freiheit mangelt,
aber es fehlt am Ende irgendwie der Feinschliff.
Für's Kino und allgemein Verwertungsketten kann man sich
halt bei der Produktion überlegen, wieviel mehr man noch
erlösen kann, wenn man jetzt mehr Geld in die Produktion
steckt.
[...]
Und "vergleichbar" ist hier der Knackpunkt. Wegen einzelner
Filme wird niemand Netflix abonnieren.
Okay, Deine Erklärung finde ich logisch, warum die Netflix-Filme
manchmal etwas "roh" wirken. Jetzt frage ich mich allerdings, warum
Netflix überhaupt so viele Filme produziert. Kostet ja einiges Geld,
denn Billigschinken sind die Netflix-Filme keineswegs immer.

Netflix-Filme finde ich oft kurzweilig, solide Abendunterhaltung,
und ich muss sogar zugeben, dass totale Gurken selten sind.
Echte Aushängeschilder, mit denen man Werbung machen könnte,
sind's allerdings auch wieder nicht. Mehr so eine Art Film-Fastfood.

Netflix-Serien sind oftmals deutlich cooler, da gibt es inzwischen
diverse richtig gute, die ich gerne sehe. Das bindet mich schon eher
als Kunde an Netflix.

Warum also überhaupt Filme? Wenn eine Neukunde sich für Netflix
entscheidet, dann gewiss nicht wegen der Netflix-Filme, jedenfalls
habe ich das bisher von niemandem gehört. Wegen Netflix-Serien holt
man sich schon eher ein Netflix-Abo, das hört man immer wieder als
gängiges Argument, und ich kann das auch gut nachvollziehen.

Naja, verwirrend für den Laien ... Andreas
Cornell Binder
2020-04-30 00:59:50 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Warum also überhaupt Filme? Wenn eine Neukunde sich für Netflix
entscheidet, dann gewiss nicht wegen der Netflix-Filme, jedenfalls
habe ich das bisher von niemandem gehört. Wegen Netflix-Serien holt
man sich schon eher ein Netflix-Abo, das hört man immer wieder als
gängiges Argument, und ich kann das auch gut nachvollziehen.
Ich für meinen Teil habe oft bei interessanten Serien das
Problem, daß ich "gerade" nicht Zeit oder Lust auf Binging
habe. Ohne Filme würde ich da gar nichts schauen.

Vielleicht geht es da anderen ähnlich.

Klar Netflix ist mit Filmen gestartet und hat inzwischen
IMHO erfolgreich mit Serien das neue Standbein aufgebaut,
daß Abonnenten sicherer bei der Stangel hält, als die
unklare Situation wo man in Zukunft gute Filme herbekommt.


Was ich allerdings erst im Nachgang bei Extraction bemerkt
habe, ist die Option für Reihen bei Netflix. Das scheint ja
auch bei Extraction nicht komplett ausgeschlossen. Oder es
war zumindest in der Konzeption mal vorgesehen. Denn ich
habe oft als alternativen Filmnamen "Tyler Rake: Extraction"
gesehen. Das wäre etwas ungewöhnlich, wenn man nur einen
Film drehen will und dann so deutlich den Namen des
Protagonisten im Titel hat. Insbesonder ist sein Abgang im
Film ja auch einer mit Optionen. >:)


Ich denke Netflix will sich schon ein bisserl absichern,
gegen den Verlust von Blockbuster-Lizenzen. (Haben sie ja
Erfahrung mit.) Und mit etwas Glück hat man eigene Klassiker
resp. Reihen am Start die Abwechslung zu den Serien bringen.

Hier wird ja auch aggressiv lokal produziert! Das ist schon
bemerkenswert und auch ein Grund warum man nachwievor tief
in den roten Zahlen steckt.


Im Endeffekt gilt bei den Filmen ja auch das, was schon bei
den Serien galt. Netflix hat die perfekte eingebaute Markt-
forschung und sieht genau welche Stoffe und welche Schau-
spieler bei den Abonnenten sehr beliebt sind. Tja und dann
versucht man dann eben ein passende Vehikel um sie drum-
zuschreiben. Ist jetzt nicht die dümmste Idee um den Leuten
das zu geben was sie wollen. (Und neue Ideen sind ja auch
dabei.)


CoBi
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Cornell Binder
2020-04-25 12:19:52 UTC
Permalink
Post by Andreas M. Kirchwitz
Ist es ein guter Film? Na ja, die Handlung ist dünn, Überraschungen
gibt es nicht. Das wäre bei so viel Action ja noch verzeihlich,
doch ich habe bis zum Schluss nicht verstanden, welchen Zeitdruck
die Protagonisten eigentlich haben. Warum warten sie nicht einfach ab,
bis sich alles beruhigt hat? Die Frage taucht sogar im Film auf, doch
zu einer Beantwortung kommt es aus anderen Gründen nicht...
Die kurz angerissene Background-Story der Figur von Hemsworth passt
filmisch nicht so recht ins Action-Spektakel, wirkt wie ein Fremdkörper,
hätte man meiner Meinung nach einfach weglassen sollen.
Das war mein größtes Problem.

Ich gebe zu, daß ich den Film nur zu Berieselung angemacht und nicht
mit 100% Aufmerksamkeit verfolgt habe. (Was im O-Ton etwas ungünstig
ist, da ja viele Dialoge Untertitelt sind und man oft nicht schnell
genug wieder hingeschaut hat.)

Mich hat einfach die Motivation der Figuren nicht "gepackt".
Das war irgendwo so holzschnittartig minimal. Gerade so
notwendig und den Rest soll man sich einfach selber denken.

Ja der Film hat seine Momente. Die Dachszene ist in dieser
Form in der Tat unerwartet und IMHO sehr gut um sich von
reinen "Comic"-Bösewichtern abzugrenzen.

Aber für mich waren dann doch alle nur in den üblichen
Klischees gefangen. Zumindest was meine "innere" Ausgestaltung
aus den Figuren gemacht hat.


CoBi
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Andy Angerer
2020-04-26 12:05:27 UTC
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Post by Andreas M. Kirchwitz
Wer kein Netflix hat, kann
sich alternativ noch mal Black Hawk Down anschauen, das ist nach
fast zwanzig Jahren immer noch eine Klasse für sich.
Der ist prima, ja.
Leider verliere ich bei diesem Film recht rasch & oft den Überblick, was
mich immer sehr nervt; ich würde die Handlung gerne auch im Detail
kapieren. Allerdings bezweifle ich speziell in diesem Fall, daß man das
besser machen könnte....
--
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(mit den anderen Links)
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