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Annihilation (2018)
(zu alt für eine Antwort)
Sebastian Will
2018-08-12 00:08:32 UTC
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Raw Message
Was für ein fantastischer Film. Kein perfekter Film. Und wahrscheinlich
auch kein Film, der irgendwann mal wie 2001 als Meisterwerk gefeiert
werden wird. Dennoch: Was für ein fantastischer Film!

Der hat mich so geflasht, dass ich über die Unzulänglichkeiten
hinwegsehen kann. Aber zugegebenermaßen hat es der Film auch leicht mit
mir, denn er triggert genau die richtigen Schalter und bedient gleich
ein paar meiner Lieblingsthemen:

-Erforschung einer mysteriösen Welt, hinter deren unfassbarer Schönheit
sich der pure Horror versteckt.
-Begegnung mit einer außerirdischen Intelligenz.
-Das Hinterfragen der Existenz und die damit einhergehende Zerlegung des
Menschseins in seine Bestandteile, hier sowohl sinnbildlich als auch
buchstäblich. Der Titel "Auslöschung" kommt nicht von ungefähr.

Und das Schöne ist, dass der Zuschauer da einfach so reingeworfen wird.
Es wird wenig erklärt und am Ende werden sich viele Zuschauer vor den
Kopf gestoßen fühlen, denn wie sagt Dr. Ventress, gespielt von Jennifer
Jason Leigh, im Film: "We have many theories, few facts.".

Wer einen (alb-)traumhaften Trip ins Unterbewusste sucht, der ist hier
richtig. Wer dagegen einen rationalen Science-Fiction-Film erwartet und
nicht davon ablassen kann, auf technische und logische Details zu
achten, der wird hier eher nicht glücklich.
Florian Maier
2018-08-12 14:22:02 UTC
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Raw Message
On 12.08.2018 02:08, Sebastian Will wrote:
>
> -Erforschung einer mysteriösen Welt, hinter deren unfassbarer Schönheit
> sich der pure Horror versteckt.
> -Begegnung mit einer außerirdischen Intelligenz.
> -Das Hinterfragen der Existenz und die damit einhergehende Zerlegung des
> Menschseins in seine Bestandteile, hier sowohl sinnbildlich als auch
> buchstäblich. Der Titel "Auslöschung" kommt nicht von ungefähr.

Ja, der Film hat ein faszinierendes Setting und füllt das auch mit
tollen Bildern. Hervorragende Ausgangslage für einen richtig guten SF-Film.

> Und das Schöne ist, dass der Zuschauer da einfach so reingeworfen wird.
> Es wird wenig erklärt und am Ende werden sich viele Zuschauer vor den
> Kopf gestoßen fühlen, denn wie sagt Dr. Ventress, gespielt von Jennifer
> Jason Leigh, im Film: "We have many theories, few facts.".

Auch das hat mir gut gefallen, ein SF-Film muss nicht alles erklären,
insbesondere wenn es um abgefahrene außerirdische Phänomene geht.

> Wer einen (alb-)traumhaften Trip ins Unterbewusste sucht, der ist hier
> richtig. Wer dagegen einen rationalen Science-Fiction-Film erwartet und
> nicht davon ablassen kann, auf technische und logische Details zu
> achten, der wird hier eher nicht glücklich.

Und da kommen wir zu dem Punkt, über den ich leider nicht hinweggekommen
bin: Die Protagonisten handeln so dermaßen bescheuert, dass bei mir da
die suspension of disbelief einfach nicht mehr ausreicht. Das sollte ja
vorgeblich eine handverlesene Truppe der "Besten der Besten der Besten,
Sir" sein, aber sie handeln fast durchgängig irrational und dämlich.

Das ist schade, weil es wirklich nicht nötig gewesen wäre, um eine
spannende Story zu stricken. Das Setting bietet ja wahrlich genug
Möglichkeiten, um die Leute auch bei intelligentem Handeln in
schwerwiegende Probleme zu bringen. Aber da hätte man halt noch ein
bisschen mehr Gehirnschmalz ins Drehbuch stecken müssen.

Deshalb mein Fazit: Hübsch anzuschauen und faszinierende Grundidee, aber
insgesamt dann doch enttäuschend.
Cornell Binder
2018-08-12 14:42:04 UTC
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Raw Message
Florian Maier <***@gmx.net> tat schreiben tun:
> On 12.08.2018 02:08, Sebastian Will wrote:
>>
>> Wer einen (alb-)traumhaften Trip ins Unterbewusste sucht, der ist hier
>> richtig. Wer dagegen einen rationalen Science-Fiction-Film erwartet und
>> nicht davon ablassen kann, auf technische und logische Details zu
>> achten, der wird hier eher nicht glücklich.
>
> Und da kommen wir zu dem Punkt, über den ich leider nicht hinweggekommen
> bin: Die Protagonisten handeln so dermaßen bescheuert, dass bei mir da
> die suspension of disbelief einfach nicht mehr ausreicht. Das sollte ja
> vorgeblich eine handverlesene Truppe der "Besten der Besten der Besten,
> Sir" sein, aber sie handeln fast durchgängig irrational und dämlich.

Warum gehst Du davon aus, das - während es überall
"Anpassungen" gibt - ausgerechnet das Gehirn in seinen
Funktionalitäten davon ausgeschlossen seien muss.

Schon der Fakt der Blackouts zeigt ja, das da Dinge im Spiel
sind, die massiven Einfluß auf das Gehirn haben. Da ist es
meiner Meinung nach nicht logisch darauf zu bestehen, das es
keinerlei Veränderungen an Handlungsvermögen gibt.


Ist es als Zuschauer unbedfriedigend? Bestimmt. Das ist ja
bei vielen Filmen ein gängiger Kritikpunkt, das wenn sich
ein Protagonist nicht so verhält wie man es selber tuen
würde, da man davon ausgeht, das der Protagonist wie selbst-
verständlich genau die gleiche Entscheidungs-Ausgangsbasis
hat wie man selbst.


Das "Besten der Besten" bezieht sich btw nicht auf Allrounder
sondern auf Spezialisten. Die Gruppen werden ja auch explizit
auf Basis von Spezialisierungen zusammengesetzt. Und nur
weil ich in einer Fähigkeit zur Spitze der Besten gehöre,
bedeutet das nicht, das ich deswegen Hyper-Vulkanischer-Logiker
bin.

Greif Dir dochmal ein paar Situationen aus dem Film und
erläutere, welches die richtige Reaktionsweise gewesen wäre.
(Wir ignorieren mal das dramen-technische Problem, das sehr
viele Filme nach 10 Minuten zu Ende wären, wenn sich alle
logisch und rational verhalten würden.)


CoBi
--
recently seen in a cinema near me:
Die brilliante Mademoiselle Neilla .................................... 2753
Solo: A Star Wars Story ............................................... 2752
No way out - Gegen die Flammen ........................................ 2751
Sebastian Will
2018-08-12 19:06:22 UTC
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Raw Message
Am 12.08.2018 um 16:42 schrieb Cornell Binder:

>
> Das "Besten der Besten" bezieht sich btw nicht auf Allrounder
> sondern auf Spezialisten. Die Gruppen werden ja auch explizit
> auf Basis von Spezialisierungen zusammengesetzt. Und nur
> weil ich in einer Fähigkeit zur Spitze der Besten gehöre,
> bedeutet das nicht, das ich deswegen Hyper-Vulkanischer-Logiker
> bin.

Dass es die "Besten der Besten" sind, wird explizit gar nicht erwähnt.
Dr. Ventress stellt die Teams aus Freiwilligen zusammen. Damit könnte es
sich also allenfalls um die Besten der zur Verfügung Stehenden handeln.
Nicht zu vergessen, dass es bereits das zwölfte (?) Team ist und sich
später herausstellt, dass alle Frauen mehr oder weniger nichts mehr zu
verlieren haben.

Dies scheint mir genauso eine Misinterpretation von manchen Zuschauern
zu sein, wie die Behauptung, das neue Team bestünde nur aus Frauen, weil
die männlichen Teams vorher gescheitert sind. Dass das neue Team nur aus
Frauen besteht, wird im Film gar nicht kommentiert, mit Ausnahme der
Szene, in der Natalie Portman die anderen drei Frauen auf der Plattform
trifft:

-You're going into the Shimmer?
-Six days and counting.
-You three?
-Four. Ventress.
-All women.
-Scientists.
-The previous teams have been largely military, so yeah.

Der Punkt ist also nicht, dass es Frauen sind, sondern dass es
Wissenschaftlerinnen sind.

> Greif Dir dochmal ein paar Situationen aus dem Film und
> erläutere, welches die richtige Reaktionsweise gewesen wäre.
> (Wir ignorieren mal das dramen-technische Problem, das sehr
> viele Filme nach 10 Minuten zu Ende wären, wenn sich alle
> logisch und rational verhalten würden.)

Würde mich auch interessieren. Mich hat nur eine unvernünftige
Begebenheit gestört. Während die Drei im Aussichtturm schlafen, hält
Ventress Wache in einem vorgelagerten wandlosen Unterstand, der zudem
noch hell erleuchtet ist. Dass das keine gute Idee ist, weiß man sogar
als Nicht-Militärexperte. Außerdem hätte zumindest kurz diskutiert
werden müssen, ob man mit den kleinen Nussschalen den Fluss befährt, aus
dem eben noch ein Alligatormutant rausgesprungen ist.
Florian Maier
2018-08-13 18:43:19 UTC
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Raw Message
On 12.08.2018 21:06, Sebastian Will wrote:
> Am 12.08.2018 um 16:42 schrieb Cornell Binder:
>>
>> Das "Besten der Besten" bezieht sich btw nicht auf Allrounder
>> sondern auf Spezialisten. Die Gruppen werden ja auch explizit
>> auf Basis von Spezialisierungen zusammengesetzt. Und nur
>> weil ich in einer Fähigkeit zur Spitze der Besten gehöre,
>> bedeutet das nicht, das ich deswegen Hyper-Vulkanischer-Logiker
>> bin.
>
> Dass es die "Besten der Besten" sind, wird explizit gar nicht erwähnt.

Ja, aber bei einem Film, der generell nicht alles erklärt, darf man sich
solche Offensichtlichkeiten schon selbst zusammenreimen, oder? Gut,
meinetwegen könnten die "Besten der Besten" in der Basis sitzen und das
Team besteht aus den Zweit-"Besten der Besten". Aber recht viel
niedriger wird man so ein handverlesenes Team bei diesem
Bedrohungsszenario qualitativ hoffentlich nicht zusammensetzen.

> Dr. Ventress stellt die Teams aus Freiwilligen zusammen. Damit könnte es
> sich also allenfalls um die Besten der zur Verfügung Stehenden handeln.

Die "Besten der Besten" sind in solchen Szenarien meistens Freiwillige,
an der Motivation sollte es bei solchen potenziell
menschheitsbedrohenden Krisen ja nicht scheitern.
Florian Maier
2018-08-13 18:31:23 UTC
Permalink
Raw Message
On 12.08.2018 16:42, Cornell Binder wrote:
> Florian Maier <***@gmx.net> tat schreiben tun:
>> On 12.08.2018 02:08, Sebastian Will wrote:
>>>
>>> Wer einen (alb-)traumhaften Trip ins Unterbewusste sucht, der ist hier
>>> richtig. Wer dagegen einen rationalen Science-Fiction-Film erwartet und
>>> nicht davon ablassen kann, auf technische und logische Details zu
>>> achten, der wird hier eher nicht glücklich.
>>
>> Und da kommen wir zu dem Punkt, über den ich leider nicht hinweggekommen
>> bin: Die Protagonisten handeln so dermaßen bescheuert, dass bei mir da
>> die suspension of disbelief einfach nicht mehr ausreicht. Das sollte ja
>> vorgeblich eine handverlesene Truppe der "Besten der Besten der Besten,
>> Sir" sein, aber sie handeln fast durchgängig irrational und dämlich.
>
> Warum gehst Du davon aus, das - während es überall
> "Anpassungen" gibt - ausgerechnet das Gehirn in seinen
> Funktionalitäten davon ausgeschlossen seien muss.
>
> Schon der Fakt der Blackouts zeigt ja, das da Dinge im Spiel
> sind, die massiven Einfluß auf das Gehirn haben. Da ist es
> meiner Meinung nach nicht logisch darauf zu bestehen, das es
> keinerlei Veränderungen an Handlungsvermögen gibt.

Ok, ist ein valider Punkt. Aber wie du bereits selber sagst, ist das
nicht gerade eine befriedigende Erklärung. Und das dämliche Handeln hat
IIRC auch schon ziemlich früh angefangen, bevor es sichtbar zu
körperlichen Veränderungen gekommen ist.

> Das "Besten der Besten" bezieht sich btw nicht auf Allrounder
> sondern auf Spezialisten. Die Gruppen werden ja auch explizit
> auf Basis von Spezialisierungen zusammengesetzt. Und nur
> weil ich in einer Fähigkeit zur Spitze der Besten gehöre,
> bedeutet das nicht, das ich deswegen Hyper-Vulkanischer-Logiker
> bin.

Das müssen ja auch keine Allrounder sein, aber bei einer handverlesenen
Truppe, die eine existenzielle Bedrohung der Menschheit abwehren soll,
darf man doch schon erwarten, dass man halbwegs mental stabile Leute
auswählt, die zu vernünftigen Entscheidungen fähig sind.

> Greif Dir dochmal ein paar Situationen aus dem Film und
> erläutere, welches die richtige Reaktionsweise gewesen wäre.

Das ist nicht ganz leicht, weil's doch schon einige Monate her ist, dass
ich den Film gesehen habe und nicht mehr alles so genau im Kopf habe.
Aber an was ich mich noch erinnern kann, sind die zwei Szenen, die
Sebastian genannt hat mit dem völlig ungeeigneten Wachhäuschen und dem
Boot. Außerdem die Szene, in der Natalie Portman alleine zum Bau eines
offensichtlich gefährlichen Raubtiers geht. Und die völlig unnütze
Verschleierung der Missionsziele, die dann vorhersehbar zum Konflikt im
Team führt.

> (Wir ignorieren mal das dramen-technische Problem, das sehr
> viele Filme nach 10 Minuten zu Ende wären, wenn sich alle
> logisch und rational verhalten würden.)

Das wäre ja wie erwähnt bei diesem Setting nun kein Problem gewesen.

Über was ich in der Hinsicht hinwegsehen konnte, war, dass für die
Mission natürlich rational betrachtet die einzige Priorität hätte sein
sollen, die Kugel zu betreten und dann wieder rauszukommen, oder
zumindest gesichert Kommunikation mit der Außenwelt herzustellen. Denn
solange das nicht gewährleistet ist, muss man eigentlich davon ausgehen,
dass jedes Sammeln von anderweitigen Informationen ziemlich unnütz ist.
Aber da gewinnt dann halt verständlicherweise die Filmdramatik, sodass
die vorherigen Teams verschollen sind und das aktuelle Team trotzdem
möglichst viel rumforschen soll.
Stephan Seitz
2018-08-13 18:53:33 UTC
Permalink
Raw Message
Cornell Binder <***@dafhs.org> wrote:
> (Wir ignorieren mal das dramen-technische Problem, das sehr
> viele Filme nach 10 Minuten zu Ende wären, wenn sich alle
> logisch und rational verhalten würden.)

Hm, aber das spricht nicht gerade für die Fähigkeiten von
Filmemachern, wenn sie nur 90 Minuten füllen können, wenn sich alle
wie Idioten verhalten.

Shade and sweet water!

Stephan

--
| Stephan Seitz E-Mail: stse+***@fsing.rootsland.net |
| Public Keys: http://fsing.rootsland.net/~stse/keys.html |
Cornell Binder
2018-08-13 19:06:30 UTC
Permalink
Raw Message
Stephan Seitz <stse+***@fsing.rootsland.net> tat schreiben tun:
> Cornell Binder <***@dafhs.org> wrote:
>> (Wir ignorieren mal das dramen-technische Problem, das sehr
>> viele Filme nach 10 Minuten zu Ende wären, wenn sich alle
>> logisch und rational verhalten würden.)
>
> Hm, aber das spricht nicht gerade für die Fähigkeiten von
> Filmemachern, wenn sie nur 90 Minuten füllen können, wenn sich alle
> wie Idioten verhalten.

Umgekehrt wird ein Schuh draus. Denn die Filmemacher bilden
nur die Realität ab. Und in der verhalten sich Menschen
alles andere als rational. Auch wenn wir das immer glauben.

Schauen wir doch mal die aktuellen Zustände der Welt an.
Wenn man das als Drehbuch eingereicht hätte, wäre man hoch-
kant rausgeflogen, wegen absoluter Unsinnigkeit und des
Vorwurfs, das sich doch Menschen niemals so unlogisch ver-
halten würden.


CoBi
--
recently seen in a cinema near me:
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Solo: A Star Wars Story ............................................... 2752
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