(zu alt für eine Antwort)
wie werden Filme nachcoloriert?
Marcus
2004-07-25 20:46:02 UTC
Hallo Leute,

mich würde mal brennend interessieren, wie Filme
nachcoloriert werden. Das ist so ein Thema, bei dem ich
keine Ahnung habe, wie das funktionieren könnte.
Es muss wohl auch mit einfacheren Mitteln durchführbar sein,
da auch schon vor zig Jahren Filme nachcoloriert wurden.

Danke für Eure Hinweise.

ciao
Marcus Woletz
Ralph Stenzel
2004-07-26 05:08:23 UTC
Post by Marcus
Hallo Leute,
mich würde mal brennend interessieren, wie Filme
nachcoloriert werden. Das ist so ein Thema, bei dem ich
keine Ahnung habe, wie das funktionieren könnte.
Es muss wohl auch mit einfacheren Mitteln durchführbar sein,
da auch schon vor zig Jahren Filme nachcoloriert wurden.
Hast wohl gestern die alte Charles-Laughton-Verfilmung der "Meuterei
auf der Bounty" in arte gesehen, oder? Fand ich grauenvoll, einen
Klassiker derart zu verunstalten...

Aber zu Deiner Frage: In der Vor-Computerzeit blieb wohl nur das
manuelle Nachkolorieren jedes einzelnen Bildes.

Gruß,
Ralph
--
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Alexander Nietzschmann
2004-07-26 10:21:09 UTC
Post by Ralph Stenzel
Hast wohl gestern die alte Charles-Laughton-Verfilmung der "Meuterei
auf der Bounty" in arte gesehen, oder? Fand ich grauenvoll, einen
Klassiker derart zu verunstalten...
Yoi das war schon bizarr: eingeschaltet -> "Häh wasn da los?!?". Weder
im ARTE-Text noch in der Fernsehzeitung stand was von der
Nachcolorierung. Hab mir das Ganze dann eine Viertelstunde lang
angeschaut und fand es technisch eigentlich gar nicht so schlecht
gemacht - zumindest besser als z. B. bei den Dick & Doof Filmen, die
letztes Jahr auf K1 liefen.

So schlimm find ich das übrigens gar nicht. Schade wärs nur, wenn mit
der Zeit alle s/w-Filme nachcoloriert würden und man das Original gar
nicht mehr zu sehen bekäme.

Gruß, Alex
Alan Tiedemann
2004-07-26 10:42:06 UTC
Post by Alexander Nietzschmann
Post by Ralph Stenzel
Hast wohl gestern die alte Charles-Laughton-Verfilmung der "Meuterei
auf der Bounty" in arte gesehen, oder? Fand ich grauenvoll, einen
Klassiker derart zu verunstalten...
Yoi das war schon bizarr: eingeschaltet -> "Häh wasn da los?!?". Weder
im ARTE-Text noch in der Fernsehzeitung stand was von der
Nachcolorierung. Hab mir das Ganze dann eine Viertelstunde lang
angeschaut und fand es technisch eigentlich gar nicht so schlecht
gemacht - zumindest besser als z. B. bei den Dick & Doof Filmen, die
letztes Jahr auf K1 liefen.
So schlimm find ich das übrigens gar nicht. Schade wärs nur, wenn mit
der Zeit alle s/w-Filme nachcoloriert würden und man das Original gar
nicht mehr zu sehen bekäme.
Die colorierte Fassung von "der längste Tag" war IMHO extrem ärgerlich.
Die Tages-Szenen waren ganz okay, aber die Kampf- und Nachtszenen
bestanden jeweils aus nur drei Farb"tönen": graugrün, graubraun und
grau. Innerhalb dieser Farbtöne *keine* Farbton-Abstufungen, nur
Helligkeits-Stufen. So wie uralte nachcolorierte Postkarten, wo jemand
über Wasser mit einem Blauton, über Bäume mit einem Grünton und über
Erde mit einem Braunton drübergepinselt hat. Das sah einfach nur K*cke
aus (im wahrsten Sinne des Wortes *g*).

Die Farbe wieder zu entfernen dürfte allerdings mit geeigneter Software
kein Problem sein. Mit Hardware geht's auch: einfach auf einen
S-VHS-Recorder überspielen und dabei die Farbkomponenten-Leitung nicht
anschließen ;-)

Gruß,
Alan
--
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Nurdogan Erdem
2004-07-26 13:08:37 UTC
Post by Ralph Stenzel
Aber zu Deiner Frage: In der Vor-Computerzeit blieb wohl nur das
manuelle Nachkolorieren jedes einzelnen Bildes.
Ist das eine Vermutung oder beruht das auf einer Quelle? Das kann ich
nämlich nicht ganz so glauben, da es wohl doch ein immenser Aufwand sein
müsste, jedes einzelne Bild von Hand anzupinseln.

Gruss,
Nurdogan
Alan Tiedemann
2004-07-26 13:13:19 UTC
Post by Nurdogan Erdem
Post by Ralph Stenzel
Aber zu Deiner Frage: In der Vor-Computerzeit blieb wohl nur das
manuelle Nachkolorieren jedes einzelnen Bildes.
Ist das eine Vermutung oder beruht das auf einer Quelle? Das kann ich
nämlich nicht ganz so glauben, da es wohl doch ein immenser Aufwand sein
müsste, jedes einzelne Bild von Hand anzupinseln.
Wie sonst sollte das, vor der Erfindung der Computergraphik,
funktioniert haben?

Eine Filmrolle, ein paar Eimer Farbe, und dann munter "eintunken"?

Ich kenne allerdings so spontan auch keinen in früherer Zeit
nachcolorierten Film.

Gruß,
Alan
--
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Thomas Koller
2004-07-26 14:52:39 UTC
Post by Nurdogan Erdem
Post by Ralph Stenzel
Aber zu Deiner Frage: In der Vor-Computerzeit blieb wohl nur das
manuelle Nachkolorieren jedes einzelnen Bildes.
Ist das eine Vermutung oder beruht das auf einer Quelle? Das kann ich
nämlich nicht ganz so glauben, da es wohl doch ein immenser Aufwand sein
müsste, jedes einzelne Bild von Hand anzupinseln.
Vermutlich war das der Grund warum Filme nur sehr selten nachkoloriert
wurden?

Tom
Ralf Ramge
2004-07-26 15:10:12 UTC
Post by Alan Tiedemann
Ich kenne allerdings so spontan auch keinen in früherer Zeit
nachcolorierten Film.
Zu Stummfilmzeiten war das durchaus hin und wieder der Fall.
Und das war in der Tat Handcolorierung.

Ralf
Manfred Polak
2004-07-26 13:19:51 UTC
Post by Alan Tiedemann
Post by Alexander Nietzschmann
So schlimm find ich das übrigens gar nicht.
Ich schon, jedenfalls, wenn es auch schon von ARTE gemacht wird.
Bei RTL und Konsorten ist es mir ja egal.
Post by Alan Tiedemann
Die Tages-Szenen waren ganz okay, aber die Kampf- und Nachtszenen
bestanden jeweils aus nur drei Farb"tönen": graugrün, graubraun und
grau.
Tja, nachts sind alle Katzen graugrün, graubraun und grau! :-Þ
Post by Alan Tiedemann
Die Farbe wieder zu entfernen dürfte allerdings mit geeigneter Software
kein Problem sein. Mit Hardware geht's auch: einfach auf einen
S-VHS-Recorder überspielen und dabei die Farbkomponenten-Leitung nicht
anschließen ;-)
Man kann ja auch einfach beim Fernseher die Farbe abstellen. Das heißt
aber noch lange nicht, dass dann auch wieder das Original herauskommt.
Wer sagt denn, dass beim Colorieren nicht auch Helligkeit und Kontrast
"verbessert" werden?

Manfred
Alan Tiedemann
2004-07-26 17:37:54 UTC
Post by Manfred Polak
Post by Alan Tiedemann
Die Tages-Szenen waren ganz okay, aber die Kampf- und Nachtszenen
bestanden jeweils aus nur drei Farb"tönen": graugrün, graubraun und
grau.
Tja, nachts sind alle Katzen graugrün, graubraun und grau! :-Þ
*blärch* - das sah auf jeden Fall total besch*ssen aus... Auch die
Kampfszenen am Strand - Explosionen, die schlagartig von Orange-Gelb
nach Farblos-Grau wechselten, Objektränder in undefinierbarer Farbe
(auch meist grau) - das war nix.
Post by Manfred Polak
Post by Alan Tiedemann
Die Farbe wieder zu entfernen dürfte allerdings mit geeigneter Software
kein Problem sein. Mit Hardware geht's auch: einfach auf einen
S-VHS-Recorder überspielen und dabei die Farbkomponenten-Leitung nicht
anschließen ;-)
Man kann ja auch einfach beim Fernseher die Farbe abstellen. Das heißt
aber noch lange nicht, dass dann auch wieder das Original herauskommt.
Das ist natürlich richtig..
Post by Manfred Polak
Wer sagt denn, dass beim Colorieren nicht auch Helligkeit und Kontrast
"verbessert" werden?
Vor allem der Kontrastumfang (naturgemäß bei S/W-Filmen dramatisch höher
als bei Farbe) dürfte gelitten haben :-(

Gruß,
Alan
--
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ludwig sandomir
2004-07-26 19:15:31 UTC
Post by Alan Tiedemann
Post by Nurdogan Erdem
Post by Ralph Stenzel
Aber zu Deiner Frage: In der Vor-Computerzeit blieb wohl nur das
manuelle Nachkolorieren jedes einzelnen Bildes.
Ist das eine Vermutung oder beruht das auf einer Quelle? Das kann ich
nämlich nicht ganz so glauben, da es wohl doch ein immenser Aufwand sein
müsste, jedes einzelne Bild von Hand anzupinseln.
Wie sonst sollte das, vor der Erfindung der Computergraphik,
funktioniert haben?
Eine Filmrolle, ein paar Eimer Farbe, und dann munter "eintunken"?
Ich kenne allerdings so spontan auch keinen in früherer Zeit
nachcolorierten Film.
Gruß,
Alan
dann wirf doch mal nen blick auf die herrlich colorierten Melies filme.
frühere als die kenne ich allerdings auch nicht ;-)
Manfred Polak
2004-07-26 18:55:04 UTC
Post by Ralf Ramge
Post by Alan Tiedemann
Ich kenne allerdings so spontan auch keinen in früherer Zeit
nachcolorierten Film.
Zu Stummfilmzeiten war das durchaus hin und wieder der Fall.
Besonders ganz am Anfang, als die Filme nur wenige Minuten lang waren,
so dass sich der Aufwand in Grenzen hielt. Schon viele Filme von Méliès
existierten in handcolorierten Fassungen.
Post by Ralf Ramge
Und das war in der Tat Handcolorierung.
Später gab es auch Zeitgenossen, die Animationsfilme ohne Belichtung
direkt durch Bemalen oder Ritzen des Filmmaterials herstellten.

Manfred
Sven Hartge
2004-07-26 21:54:05 UTC
Post by Nurdogan Erdem
Post by Ralph Stenzel
Aber zu Deiner Frage: In der Vor-Computerzeit blieb wohl nur das
manuelle Nachkolorieren jedes einzelnen Bildes.
Ist das eine Vermutung oder beruht das auf einer Quelle? Das kann ich
nämlich nicht ganz so glauben, da es wohl doch ein immenser Aufwand
sein müsste, jedes einzelne Bild von Hand anzupinseln.
Lies einmal nach, wie zu Beginn der Farbfotographie die Fachwelt von
einem Betrüger mit exakt dieser Methode hinters Licht geführt worden
ist.


--
BOFH excuse #127:

Sticky bits on disk.
Claus Schotten
2004-07-26 22:27:31 UTC
Post by Nurdogan Erdem
Post by Ralph Stenzel
Aber zu Deiner Frage: In der Vor-Computerzeit blieb wohl nur das
manuelle Nachkolorieren jedes einzelnen Bildes.
Ist das eine Vermutung oder beruht das auf einer Quelle?
Das ist keine Vermutung, in der Frühzeit des Films hat man das gemacht.
Wegen dem Aufwand aber i.d.R. nur bei einzelnen Schlüsselszenen und
bei Kurzfilmen. Zudem mußte man früher jede Kopie einzeln colorieren!
Bei größeren Kopienzahlen hat man dann zu Schablonen gegriffen.

Eine Quelle habe ich jetzt leider auch nicht zur Hand, aber z.B. im
Katalog zur Berlinale-Farbfilm-Retro (vor ca. 10 Jahren) dürfte das
genauer stehen. Der Titel (aus dem Gedächnis):
»Color - Die Farben des Films«.
Aber es gibt da sicherlich noch viele andere Quellen. Ich habe davon
jedenfalls schon häufiger in Einführungsvortägen gehört, wenn solche
Filme irgendwo gezeigt werden.

Später, als die Filme länger wurden, wurden colorierte Szenen seltener.
Der Aufwand war wohl zu groß. Man hat die Filme dann viragiert. Dabei
wird dann die komplette Szene in ein Farbbad getaucht. Nachtszenen waren
meist blau oder violett, Innenräume gelb etc.
In den zwanziger Jahren hatte man da ausgefuchste Techniken, bei denen
neben dem Farbbad, das die Farbe der hellen Stellen im Bild bestimmte,
auch noch farbiges Korn verwendete, das die Tönung der dunklen Stellen
bestimmte. Beide Farben konnte man unabhängig von einander wählen.
Viragieren kam erst mit dem Tonfilm aus der Mode, weil die Farbe den
Kontrast auf der Tonspur verringerte und damit die Tonqualität
beeinträchtigte.

Ciao, Claus schotten @ cinephil.de

Zuletzt gesehen:
»De Zaak Alzheimer« »Fang Shiyu xing Hong Xiguan« »Madame Edward«
Thomas G. Liesner
2004-07-26 22:12:37 UTC
Post by Manfred Polak
Man kann ja auch einfach beim Fernseher die Farbe abstellen.
Wenn das bei deinem noch geht.

So long,
Thomas G. Liesner
Thomas G. Liesner
2004-07-26 22:13:59 UTC
Post by Alan Tiedemann
Vor allem der Kontrastumfang (naturgemäß bei S/W-Filmen dramatisch höher
als bei Farbe) dürfte gelitten haben :-(
Sicher, daß der höher ist? Sofern die Einfärbungen die passende
helligkeit haben, sollte da kein Unterschied sein, der Kontrast wird
doch bei s/w durch harte Beleuchtung und starke Helligkeitskontraste
zwischen zu Unterscheidendem erzielt.

So long,
Thomas G. Liesner
Alan Tiedemann
2004-07-27 07:57:57 UTC
Post by Thomas G. Liesner
Post by Alan Tiedemann
Vor allem der Kontrastumfang (naturgemäß bei S/W-Filmen dramatisch höher
als bei Farbe) dürfte gelitten haben :-(
Sicher, daß der höher ist?
Also bei "Der längste Tag" haben die bei vielen Szenen das sonst sehr
dunkle Grau bis Schwarz schon ein wenig aufhellen müssen, um die
entsprechenden Bereiche zusätzlich mit Farbe zu "verheiraten".
"Fastschwarz" mit einer Einfärbung sieht nämlich sehr merkwürdig aus.
Post by Thomas G. Liesner
Sofern die Einfärbungen die passende
helligkeit haben, sollte da kein Unterschied sein, der Kontrast wird
doch bei s/w durch harte Beleuchtung und starke Helligkeitskontraste
zwischen zu Unterscheidendem erzielt.
Ja, und um die dunkleren Bereiche sichtbar bzw. brauchbar einfärben zu
können, muß man sie leicht aufhellen. IIRC wurde das bei obigem Film so
gemacht. Einige Szenen sahen nämlich wirklich sehr merkwürdig aus...

Gruß,
Alan
--
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Manfred Polak
2004-07-27 13:12:37 UTC
Post by Thomas G. Liesner
Post by Manfred Polak
Man kann ja auch einfach beim Fernseher die Farbe abstellen.
Wenn das bei deinem noch geht.
Natürlich. Gibt es tatsächlich Fernseher, bei denen man die Farb-
sättigung nicht einstellen kann?

Manfred
Thomas G. Liesner
2004-07-27 14:44:21 UTC
Post by Manfred Polak
Post by Thomas G. Liesner
Post by Manfred Polak
Man kann ja auch einfach beim Fernseher die Farbe abstellen.
Wenn das bei deinem noch geht.
Natürlich. Gibt es tatsächlich Fernseher, bei denen man die Farb-
sättigung nicht einstellen kann?
Unserer num im Bereich von vielleicht 60% bis 200%, aber auf 0% geht es
definitiv nicht.

So long,
Thomas G. Liesner